Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

303

Anhang znm dritten Kapitel.

Pie pcghiiicn und pcghnrde».

Eine Ähnlichkeit nnd mehrfache Verwandtschaft mit den Ter-tiaricrn des Franziökanervrdens haben die Beginnen oder Beghinennnd Beghardcn.

<>) Die Dcghlncii.

An dem gottlosen Wandel der höheren Geistlichkeit in Lüttichärgerte sich gegen das Ende des 12ten Jahrhunderts hauptsächlich derPriester Lambert le Begueö, im heutigen französischen leBögue(der Stammler), nnd tadelte in seinen Predigten offen das Sitten-verderbniß. Zugleich warnte er besonders das weibliche Geschlechtvor Verführungen und verwendete sein nicht unbedeutendes Ver-mögen dazu, ehrbare Wittwcn und Jungfrauen durch eine Stiftungeigcnthümlicher Art zu einer Gott wohlgefälligen Lebensweise zuvereinigen. Er ließ nämlich in seinem großen vor der Stadt gelege-nen Garten eine Menge von einander abgesonderter Häuschenbauen, und räumte sie Frauenspersonen ein, jedoch unter der Be-dingung, daß sie den Umgang mit Männern meiden. Diese Frauennun wurden nach ihm le Begueö (jetzt Bvguincs) genannt. Ueber-dieß ließ er in der Mitte des Gartens eine Kirche unter der Anru-fung des heil. Christoph bauen, die im Jahre 1184 fertig wurde.Die Oberaufsicht über seine Stiftung aber übertrug er einem Priester.

Judeß wurde Lambert auf eine Strafpredigt hin gefangen ge-nommen und auf die Festung Rcvogne, zwischen Lüttich und Bouil-lon, gebracht, wo er mehrere fromme Bücher schrieb und auch dieApostelgeschichte in das französische, seine Muttersprache, übersetzte.Er verlangte aber, nach Rom zu reisen, und seine Sache von demPapste entscheiden zu lassen, zumal er auch angeklagt war, von sei-nem Gefängniß aus durch Magie die Stadt Lüttich angczündct zuhaben. Papst Urban Ul. aber nahm ihn freundlich auf, sprachihn frei und bestätigte seine Stiftung. Bald nach seiner Rückkehrstarb Lambert (1187) und ward vor dem Hochaltäre seiner Chri-stvphskirche beigesetzt.

Fünfzig Jahre später waren es bereits 1500 Beghinen zum