260
Und diese Vorschriften für die D ' ^ bald so allgemein
angenommen, daß mit Beistimmung dcS Papstes Gregorinö IX.alle Clarissincn sich denselben unterwarfen und von jetzt an erst daSHaus des heiligen Damian in der Nähe von Portinncnla als dieWiege und der Hanptort aller übrigen betrachtet werden konnte.Der Nus der Heiligkeit dieser Nonnen scholl bis in die fernstenLande; denn Agnes, die Tochter Primislavs, Königs von Böhmen,gründete im Jahre 1234 zu Prag ein Clarissinenkloster.
Bevor wir zu der Erzählung der weiteren Schicksale diesesOrdens übergehen, wollen wir noch das Leben der heiligen Stiftern:einige Augenblicke uns vergegenwärtigen. Allererst wird dem, derden hohen Ruhm der Heiligkeit und Gottseligkeit würdig zu schätzenweiß, folgende Scene aus ihrem Leben nicht uninteressant erscheinen.Kaiser Fricderich II. verheerte das dem heiligen Stuhl gehörendeThal Von Spoleto. Unter seinem Heere befanden sich sehr vieleSarazenen und andere Ungläubigen, welche Alle der Kirche gleichfeindlich gesinnt waren. Von diesen Unmenschen nun ließ der Kaiser20,000 Mann im Lande zurück. Diese raub- und plündcrungs-süchtige Schaar belagerte auch die Stadt Assisi. Zuerst aber stürm-ten sie auf das außerhalb der Stadt gelegene Kloster St. Damianan und erstiegen schon die Mauern. Obwohl an einer heftigenKrankheit leidend, ließ sich die heilige Clara an die Pforte desKlosters tragen mit einem das heilige Sakrament enthaltenenSpeisckelch (dem höchsten Eigcnthum des Klosters), der im Angesichteder Feinde ausgestellt wurde, und vor dem sie sich, den Himmeldcmüthig und inbrünstig um Schutz und Hilfe anflehend, nieder-warf. Ein plötzlicher Schrecken befiel die Belagerer, welche mitsolcher Hast die Flucht ergriffen, daß mehrere von ihnen gefährlichverwundet wurden.
Bei aller Strenge des Wandels und der Abstinenz war dieheilige Clara stets freudig im Herrn. Besonders aber zeigte sie inihrer letzten Krankheit eine bewunderungswürdige Geduld. Währenddes Todeökampfes ließ sie sich die Leidensgeschichte des Heilandesvorlescn und gab dann ruhig den 11. August 1253 in ihrem60sten Jahre und im 42stcn nach Ablegung der Klostergelübde ihrenGeist in die Hände des Herrn ans. Tags darauf fand ihr Leichen-