Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
88
Einzelbild herunterladen
 

Gemeinschaft trifft, welche während der harten Probe ihres Novi-ziates ihr künftiges Loos voraussehen und sich ihm noch im günsti-gen Augenblicke entziehen konnten. Daran liegt wenig, fügen fernerdie Kritiker bei, daß sie, da ihnen allzuspät vor der Unzulänglichkeitihrer Kräfte die Augen geöffnet wurden, der Neue preißgegcben sind,ihre wohlverdienten Qualen gehen die Welt nichts an, die fürdermir noch ihre äußerlichen Handlungen schätzen darf.

Glück auf, diese Handlungen haben bei unfern UngläubigenGnade gefunden. Sie geben der tiefen Abgeschiedenheit der Kar-thäuser Beifall; aber nur deßwegen, weil sie dieselben hinderte, aufdie Welt einen Einfluß auözuüben, woraus die andern Religiösensich eifersüchtig zeigten. Diese Mönche predigten nicht und hieltenkeine Schulen, und schnitten sich so, um mit den Feinden desMönchthums zu reden, die Mittel ab, den Aberglauben zu verbrei-ten und außerhalb der Klöster der ganz partheiischen Sittenlchre derMönche das Uebergewicht zu verschaffen. Trieben sie ja doch keinenHandel mit Gebeten für die Seelenruhe der Verstorbenen und miß-brauchten nicht leicht die Achtung, welche die Heiligkeit ihrer Sittendem Volke einflößte, außer in der Absicht, ihre Reichthümer zuvergrößern. Sic machten sich um die Civilisation sowohl durchihren beständigen Eifer, einen bedeutenden Theil der Ackcrbankunstzu vervollkommnen, als auch durch die Sorgfalt, mit der sie diewissenschaftlichen Schätze bewahrten, verdient. '

Auch vom Reichthnme der Karthäuser hat man schon tadelndgesprochen; nie aber hat man ihnen aufgebürdet, daß sie einenschlechten Gebrauch von demselben machen, und den Unglück-lichen eine Unterstützung verweigern. Wenn es anders eine biszur äußersten Klarheit erwiesene Wahrheit und eine geschichtlicheGewißheit gibt, so ist es die, daß die Karthäuser die dürrstenBcrggegenden und Alpenwüstcn besaßen, sie urbar und fruchtbarmachten, und auf ihnen jene großen Wälder pflanzten, welche eine

^ Voltaire hat auch dieses Zugeständnis arg beschränkt, indem er irgend-wo sagt, Don Noöl d'Argonne sei der einzige Karthänser, welcher auf demFelde der Literatur gearbeitet hätte. Allein Don Ducrenr nennt mehr denn250 Schriftsteller ans seinem Orden. Alle waren zweifelsohne nicht in gleichemGrade geistreich, aber ihre Anzahl beweist wenigstens, daß dieser Orden dieSchriftstellerei für keine seiner unwürdige Thätigkeit ansah.