60
Kunde gelangte, und auch dann stand gewöhnlich nur mittelbareHilfe zu Gebot. Das scheinen alle diejenigen gefühlt zu haben,welche von dem zehnten Jahrhundert an durch verschiedene Zusätze,Erweiterungen, Auslegungen und Verschärfungen die derRegeldeö heil.Benedikt Unterworfenen zu gewissenhafterer Erfüllung ihrer Obliegen-heiten als Ordeusmäuuer znrückführen wollten. Alle verbanden diezu Annahme ihrer erneuerten Vorschriften sich verpflichtenden Hauö-genossenschaftcn zu einem Ganzen, und hofften, indem sie diesemdie Aufsicht über das Einzelne übertrugen, künftigem Verfall wirk-samer vorzubeugcu.
Von seinem Kloster Gigni, in der ehemaligen Freigrafschaft,in dem Sprengel von Lyon gestiftet, wurde Abt Berns, derSprößling eines burgundischen Grafengcschlcchtö, an die AbteiBeaume, im Gebiet von Dijon berufen. Ihn ersah Wilhelm derFromme, Graf von Auvergne und Herzog von Anjou, zum würdigenVorsteher eines Klosters, welches er auf seinem Erbgut zu Clugny,au dem Flüßchen Gronne, im Jahr 910 zu stiften gedachte. Bcrnoaber wollte so wenig als seine Nachfolger eine neue Regel auf-stellen, sondern nur die Einwirkung der längst gegebenen auf die-jenigen, deren Leben sie ordnen sollte, auffrischcn. ' Berno 2 sahschon bei seinem Tode im Jahre 026 seine Verbesserung in siebenKlöstern eingeführt. Allein wahren Bestand erhielt sie erst unterseinem Nachfolger, dem heiligen Odo. Dieser begnügte sich nichtdamit, die genaue Beobachtung der Bcnediktinerregel, welche dieübrigen Klöster bereits kaum mehr dem Namen nach kannten,wieder hcrzustellen, sondern fügte noch eine Menge absichtlich strengerund unbequemer Gebräuche und Ccrcmonicn bei; denn ihre Uebungwar ungemein gut geeignet, die Mönche in dem Gefühle der Dcmnthund des Gehorsams zu bestärken. So mußten auch die Brüder zugewissen Zeiten, nämlich bis zur Prim, beständiges Stillschweigenbeobachten und konnten einander ihre Gedanken nur durch verab-
> Vergl. Hurter, Geschichte Papst Jnnocenz III. und seiner Zeitgenossen.IV. Bd. S. 103 u. 104.
- Berno selbst theilte seine beiden Klöster Beaume und Clugny, wie einErbgut, unter zwei Schüler; woraus Helyvt, Geschichte aller Klöster undRitterorden V., 218, deutsche Uebersetzung, nicht ohne Grund schließt, Bernohabe eigentlich noch keine Verbindung im Auge gehabt.