Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
385
Einzelbild herunterladen
 

hcit, Zweifel, Sorgen und Bekümmernisse, sündliche Gedan-ken, Lüste und Leidenschaften, die ihr Gemüth benebelnund verunreinigen. Dieß Alles ist ihr zur Last, sie. möch-te gerne gleich und ganz davon befreit seyn. Aber siekann sich selbst nicht davon befreien, sondern bei ihren Be-mühungen, wird es manchmal nur schlimmer; Sie bittetden Herrn, daß er es durch seinen Geist thun wolle, aberder Geist scheint sie an sich selbst überlassen zu haben,damit sie desto mehr ihr Unvermögen kennen lernen unddemüthiger werden, seine Wirkungen höher schätzen undbegieriger suchen, brünstigerzu ihm seufzen und flehen soll:Stehe auf, mache dich auf mich zu bewirken, zu er-leuchten, zu genesen, zu reinigen und zu heiligen, wie inunserm Texte geschiehst, wenn es heißt: stehe auf, Nord-wind, denn ich bin des sündlichen Verderbens in mir somüde.

So aufrichtig aber die geistliche Braut Christi, seinegläubige Kirche, und eine jede ihm ganz ergebene redlicheSeele die erleuchtende, züchtigende, reinigende und heili-gende Gnade des Geistes, die hier durch den Nordwindabgebildet wird, begehret und erflehetz so begierig ist sieauch nach den tröstenden und erquickenden Gaben und Wir-kungen desselben, die sie unter dem Südwind begreift,wenn sie hinzusetzt: komm Südwind- Denn der Süd-wind ist ein sanfter, stiller, lieblicher Wind, der nach demscharfen Nordwind wieder erwärmt und erquickt, in derHitze selbst lieblich kühlet, Regen und Fruchtbarkeit bringt.

Aehnliche Wirkungen äussert auch der heilige Geist. Erbringt nach empfundener Angst, Unruhe, Schaam, ReueSchmerz und Beugung eine sanfte, süße Stille, Ruhe,Friede und Freude in der Seele hervor z erquicket sie mitseinen Tröstungen, giebt mit ihrem Geist Zeugniß, daß sieGottes Kinder sind, Röm. 8: und gießt-die Liebe Gottesin ihr Herz aus, entzündet dadurch eine brünstige Gegen-liebe, Dankbarkeit und kindliches Vertrauen zu Gott, Zu-friedenheit mit seinen Wegen und gelassene Unterwerfungunter seinem Willen, macht sie geschickt im Lichte seinesAntlitzes zu wandeln und über seinen Namen fröhlich zu