nicht nur jede neuen Beweise der Liebe von dem Geliebtensehr angenehm, sondern sie nähren und stärken auch dieGegenliebe. Je mehr auch eine gläubige Seele von derLiebe Jesu erkennt und erfährt, desto schätzbarer wird sieihr, desto mehr fühlt sie aber auch, wie wenig sie nochvon dieser Liebe erkennt und genießet; darum wünscht sie indies Meer der Liebe ganz versenkt zu werden. Je mehrsie der Herr liebt, desto lebhafter fühlt sie auch, wie un-vollkommen noch ihre Liebe gegen den Liebenswürdigstenist. Darum sehnt sie sich darnach, durch mehr Erkenntniß,Genuß und Erfahrung der Liebe Jesu in Liebe zu ihmentstammt zu werden. So müßte es auch bey uns seyn,und ein jeder diese Bitte der Braut Jesu: Setze mich wieein Siegel auf dein Herz, und wie ein Siegel auf deinenArm, nach ihrem ganzen Inhalt, aus der ganzen Fülleseines Herzens vor ihn bringen.
n. T h e i l.
Wie gegründet diese Bitte sei, wie viel Ursache einegläubige Seele hat, sie oft und angelegentlich vor den Herrnzu bringen, davon zeuget die vortreffliche Beschreibung,welche die Kirche und Braut Christi von der wechselseitigenLiebe zwischen Christo und ihr in dem zweiten Theile unsersTextes macht, wenn sie spricht: Denn Liebe ist starkwie der Tod und Eifer ist fest wie die Hölle.Ihre Glut ist feurigundeineFlammedesHerrn,daß auch viele Wasser die Liebe nicht mögenauslöschen, noch die Ströme sie ersäufen.
So ist die Liebe des Herrn Jesu zu seinen Gläubigen,stark und siegreich, eifrig und fest, eine feurige und un-auslöschliche Glut. So wird aber auch die Liebe der Gläu-bigen zu ihm je länger je mehr durch die zunehmende Er-kenntniß, Erfahrung und Genießung seiner Liebe. Dennda von der Liebe zwischen Christo und seiner Gemeine, seinerBraut überhaupt, ohne nähere Bestimmung geredet wird,