Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

keine un ge gründete Meinung von uns beizubringen suchen,auf keinerlei Weise ihn betrügen, hintergehen und vervor-Iheilcn wollen, sondern Falschheit und Lüge, Unrecht undBetrug von uns ferne seyn lassen. Unser ganzes Herz,was wir wissen und Vorhaben, brauchen wir nicht jedemoffen zu legen, das wäre gegen die christliche Klugheitund Verschwiegenheit, aber was wir reden, muß Wahrheitseyn. Wir mäßen nichts für wahr ausgeben, was wirnicht dafür halten und bei unserer Erzählung nicht absicht-lich etwas davon oder dazu thun, wodurch die Sache ver-stellt wird, bei unfern Urtheilen über andre müßen wiruns vor ungegründetem Tadel und falschem Lob hüten,keine Verleumder, aber auch keine Schmeichler sein, betBestrafung und Tröstung aufrichtig zu Werke gehnz sowie auch bei Versprechungen, was wir nicht zu halten ge-denken, oder nicht halten können, oder was nicht rechtund erlaubt ist, das müßen wir auch nicht versprechen,aber was wir erlaubtes und mögliches versprochen haben,das müßen wir auch halten-> Bundnisse, Vereinigungenund Zusagen müßen uns heilig seyn. Was wir den Näch-sten schuldig sind, das müßen wir auch treulich leisten, inder Erfüllung unsrer Pflichten gegen Vorgesetzte undUntergebene, gegen Hausgenossen und Fremde, gegenFreunde und Feinde, im Kleinen und im Großen gewis-senhaft und zuverlässig sein.

Mit dieser Wahrheit und Aufrichtigkeit müßen wir dieLenden unseres Gemüths umgürten, wenn wir gegen unsreFeinde und ihre Versuchungen bestehen und siegreich seynwollen. Denn sie hält das Gemüth gesammlet und zu Gottgekehrt. Das giebt Festigkeit, Muth und Kraft, wennman sich keiner unlauter» Absicht, sondern seiner Redlich-keit und guten Sache bewußt ist; nwim uns unser Gewis-sen das Zeugniß giebt, daß wir es mit keiner wissentlichenSünde mehr halten, keiner schonen, keine am Leben undherrschen bei uns lassen wollen, sondern allen Widerstandthun, von allen los zu werden trachten, so stark undmächtig sich auch manche in uns regen. 'Das bringt Freu-digkeit zu Gott, wenn wir uns vor ihm darauf berufenkönnen, daß wir durch seine Gnade ein aufrichtiges Wer-