aber den Stand der Knechte und Mägde nicht allein inseiner wahren, nöthigen, nützlichen und ehrwürdigen Ge»statt dargestelltz sondern auch fast überall, wo es durch-gedrungen ist, die schmähliche Leibeigenschaft und Sclave-rei von ihnen weggenommen, ihre Freiheit ihnen wieder-gegeben und sie in ihre gebührende Rechte versetzt. De-sto williger und treuer müßen sie darum auch der Ermah-nung desselben folgen und die Pflichten erfüllen, die esihnen vorschrcibt.
Die Hauptpflicht, die es ihnen vorschreibt und Pau-lus auch in unserm Texte namhaft macht, ist Gehorsamzdenn derselbe schließt, wenn er auf eine recht christliche undgottgefällige Weise geübt wird, alle andren Pflichten, Lie-be, Hochachtung, Ehrfurcht, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit,Treue, Fleiß und Dankbarkeit in sich. Ihr Knechte,sagt Paulus, seid gehorsam euren leiblichen Her-ren. Leibliche Herren nennt er ihre Vorgesetzten un-ter den Menschen, um sie von ihrem Herrn im Himmel,Jesu Christo, zu unterscheiden, dessen ganzes Eigenthum siesind, nach Leib und Seele zugleich, in Zeit und Ewigkeit.Ihren leiblichen Herren sollen sie gehorsam sein, ihren Be-fehlen Nachkommen und sie erfüllen, sich in ihrem Thunund Lassen nach dem Willen und den Vorschriften derselbenrichten. Es versteht sich von selbst, daß sie ihnen in sol-chen Dingen, die dem Worte Gottes und ihrem Gewissenzuwider sind, nicht zu gehorchen brauchen. Wenn sie ih-nen zum Beispiel befehlen würden, Zesum zu verleugnenund die Uebung der Gottseligkeit zu unterlassen, ihnen zuGefallen zu sündigen, zu lügen und zu betrügen, oder sonstdie Nächsten zu beleidigen und ihnen zur Ausführung feind-licher Anschläge behülflich zu sein: so müßen sie ihnen nichtgehorchen, sondern sich mit bescheidenem Ernst widersetzen.Denn hier gilt der Ausspruch Petri Act. 5: Man muß Gottmehr gehorchen als den Menschen z und was Paulus i Tim.5, 22 . gebeut: Mache dich nicht fremder Sünden theil-haftig, geht auch die Knechte und Mägde am Im übri-gen aber, was nicht wider die Ehre Gottes und sein Wort,wider ihr Gewissen und ihre Verbindlichkeit ist, noch überihre Kräfte geht, müßen sie ihren leiblichen Herren ge-horsam sein.