das Bett eines Baches niederfiel, wo sie mit einem Geräusche,das man vielleicht drei Meilen im Umkreis hörte, in fünfgroße Stücke zerschellte.
Mit Kleidern, welche durch die erlittene Gewaltthat zer-rissen und beschmutzt waren, mit ausgelösten Haaren und indie höchste Unordnung gcrathener Kleidung; fast ohnmächtigdurch die erstickende Lust ihres Kerkers und erschöpft durchdie Versuche zu ihrer Befreiung, gönnte Eveline der Beach-tung ihrer eigenen Lage doch keinen Augenblick, sondern be-eilte sich mit dem Ungestüm einer Schwester, die ihrem ein-zigen Bruder zu Hülfe eilt, Damians schwere Wunden zuuntersuchen, und die geeigneten Mittel anzuwendcn, um dasBlut zu hemmen, und ihn aus seiner Ohnmacht zu wecken.Wir haben schon an einem andern Orte bemerkt, daß Eve-line, gleich andern Frauen ihres Zeitalters, mit der Wund-arzneikunst nicht ganz unbekannt war; jetzt aber entwickeltesie weit größere Kenntnisse in dieser Kunst, als sie selbst fürmöglich gehalten hatte. In jeder ihrer Anordnungen lagKlugheit, Vorficht und zärtliche Sorgfalt. Die Sanftmut-des weiblichen Geschlechtes, und dessen thätige Menschenliebe,die stets zur Milderung des menschlichen Unglücks bereit ist,schienen in ihr durch einen kräftigen und Hellen Verstand er-höht und veredelt zu sein. Nachdem Rosa einige Minutenlang die klugen und scharfsinnigen Anordnungen ihrer Gebie-terin mit Erstaunen vernommen hatte, schien sie sich plötzlichzu erinnern, daß der Kranke nicht der ausschließlichen SorgeEvelinens überlassen werden sollte. Sie legte daher ebenfallsHand an, und half so viel sie konnte, während die Uebrigeneine Tragbahre bereiteten, auf welcher der verwundete Ritternach dem Schlosse Kurse soloureuse gebracht werden sollte.