Druckschrift 
24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
Seite
290
Einzelbild herunterladen
 

290

und sorgfältig gewählt und geordnet, als ob er noch so jungan Jahren, als an Hoffnungen und Wünschen gewesen wäre.Dies war nun vorüber, und er sah jetzt die mühsame Auf-gabe vor sich, seine Braut auf mehrere Jahre zu verlassen,selbst ehe das heilige Band der Ehe sie unzertrennlich ver-einigt hatte, und zu bedenken, daß sie allen den GefahrenPreis gegeben sei, welche die weibliche Treue in einer sokritischen Lage bedrohen können. Als die unmittelbare Be-sorgniß für seinen Neffen verschwunden war, fühlte er sich zuglauben versucht, er habe den Vorstellungen des Erzbischof'sein wenig zu schnell Gehör geschenkt, und zu voreilig geglaubt,Damians Tod oder Genesung hänge von der buchstäblichenund augenblicklichen Erfüllung seines Gelübdes ab.Wieviele Fürsten und Könige," dachte er bei sich selbst,habendas Kreuz genommen und verschoben ihre Abreise oder gabensie ganz auf, und lebten und starben dennoch in Ehre undReichthum, ohne Züchtigungen wie die, mit denen michBaldwin bedroht bat, zu erleiden und weßwegen verdien-ten jene Männer mehr Nachsicht als ich? allein der Würfel istgefallen, und fruchtlos ist jetzt die Untersuchung, ob mein Ge-horsam gegen die Befehle der Kirche meinem Neffen das Le-ben gerettet hat, oder ob ich nicht, wie es den Laxen gewöhn-lich im Kampfe mit den geistlichen Herrn zu ergehen pflegt,aus dem Felde geschlagen worden bin. Wollte Gott, cs wäredem nicht so, da ich dann mein Schwert, als Streiter desHimmels, umgürtend, um so eher des Himmels Schutz fürdie erwarten könnte, die ich unglücklicher Weise zurücklaffenmuß."

Während diese Gedanken seinen Geist beschäftigten, hörteer die Wachen am Eingänge seines Zeltes Jemand anrufen.Der Kommende blieb auf ihre Aufforderung stehen,.und bald