die Sachsen sind noch halbe Heiden/ ohne Christenthum, Mensch-lichkeit und Bildung."
„Ja," antwortete Rosa, „aber ich sagte dieß damals, umEuch einer Gefahr zu entziehen; — jetzt, da die Gefahr vor-über ist, mag ich wohl anders davon urtheilen."
„Vertheidige sie nicht, Rosa," antwortete Eveline zürnend.„Nie ist ein unschuldiges Schlachtopfer dem Altäre eines bösenGeistes mit größerer Gleichgültigkeit überliefert worden, alsmeine Verwandte mich preiSgcgeben hat — mich, eine Waise!beraubt meines natürlichen und mächtigen Beistands. Ichbaffe ihre Grausamkeit — ich baffe ihr Haus — ich Haffe dasAndenken an Alles, was hier geschehen ist — an Alles, Rosa,ausgenommen an deine unvergleichliche Treue und furchtloseAnhänglichkeit. Geh, und befiehl unserem Gefolge, daß eSaugenblicklich sattelt — ich will mich sogleich von hier ent-fernen — ich will mich nicbt umkleiden," fügte sie hinzu, denBeistand verwerfend, den sie anfänglich gefordert hatte — „ichwill keine Umstände machen — selbst nicht verweilen um Ab-schied zu nehmen."
In dem eiligen und leidenschaftlichen Benehmen ihrer Ge-bieterin erkannte Rosa mit Bedauern einen andern Ausbruchdesselben reizbaren und aufgeregten Temperaments, das sichfrüher durch Thränen und Ohnmächten entladen hatte. Alleinda sie zu gleicher Zeit bemerkte, daß Gegenvorstellungen ver-geblich seien, so gab sie die nöthigen Befehle zur Versamm-lung des Gefolges und zur Beschleunigung der Reiseanstaltcn,hoffend, ihre Gebieterin werde in dem Grade, in welchem siesich von dem Schauplatze, auf dem ihr Gemüth einen so ge-waltigen Stoß erlitten hatte, entfernen werde, ihre vorigeGemüthsruhe wieder erlangen.
Dame Gillian war demzufolge mit der Anordnung des