Druckschrift 
24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
Seite
216
Einzelbild herunterladen
 

216

sodann wieder zu ihrer Gebieterin zurück, die, von Gilliangehalten, leise wimmerte, und schnelle und unverständige Aus-rufe murmelte, kurz durch Alles andeutete, daß sie an denNachwehen einer heftigen Erschütterung leide, die durch ir-gend eine erschreckende Ursache herbeigeführt worden seinmußte.

In dem Grade, in welchem Dame GillianS Bewußtseinerwachte, wurde ihre Neugierde Ihätig.Was bedeutet allesdas?" fragte sie Rosa.Was ist unter euch vorgcfallen?"

Ich weiß es nicht," antwortete Rosa.

Ihr wißt es nicht? wer sollte cs dann wissen? sollich die andern Dienerinnen herbcirufen, und das Haus auf-wecken ?"

Nein! bei Eurem Leben nicht," sagte Rosa,bis meineGebieterin im Stande ist, ihre Befehle zu ertheilen; und wasdieses Gemach betrifft, so will ich, so wahr mir Gott hilft,mein Möglichstes thun, um seine Geheimnisse zu entdecken.Unterstützt indessen meine Gebieterin!" Mit diesen Wortenergriff sie die Lampe, überschritt, ihre Stirn bekreuzend, kühndie geheimnißvolle Schwelle, und das Licht emporhaltend,blickte sie im ganzen Gemache umher.

Es war nichts weiter, als ein altes gewölbtes Zimmervon sehr mäßigem Umfange. In einer Ecke befand sich einrohgeschnitztes Bild der -eiligen Jungfrau auf einem sächsischenTaufsteine von merkwürdiger Arbeit. Auch erblickte man zweiSitze, und ein mit groben Teppichen bedecktes Lager, auf wel-chem Eveline geruht zu haben schien. Die Trümmer deszerschmetterten Fensters lagen auf dem Fußboden; allein dieOeffnung war sichtlich nur durch den gewaltvollen Einbruchdes Soldaten entstanden, und sie sah keinen andern Zugang,