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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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aber sie lebten und handelten, wie es der Aufzeichnerfolgender Anekdoten (der hier keineswegs als Hirn-spinner arbeitet) theils mit eigenen Augen sah, theilsvon bewährten Zeugen hörte.

Herr von Karg * und seine Gemahlin besaßen nachder mäßigsten Schätzung ein Bermögen von achtzig tau-send Thalern, hatten weder Kind noch Kegel, und wa-ren beide über siebzig Jahre alt. Von ihrer Lebensartin früheren Zeiten hat ihr gegenwärtiger Geschichts-schreiber keine Kunde. Cr fand blos Gelegenheit, siezu beobachten, als sie in diesem Alter vom Lande nachder Hauptstadt kamen, um einen Prozeß zu betreiben.Sie wollten dadurch ein Rittergut erobern, woran sienicht den mindesten gerechten Anspruch hatten. Wenig-stens war die Sache so verwickelt und weitaussehend.Laß es bei ihren hohen Jahren durchaus unmöglichwar, das Endurtheil zu erleben. Ueberdieß stritten siemit ihrem nächsten Erben, dem der Zankapfel wennsie ihn auch noch am Rande des Grabes gewonnen hät-ten nach ihrem Tode wieder zufallen mußte. DochLieß alles hielt sie nicht ab, den Rechtsstreit mit rastlo-sem Eifer zu verfolge». Sie bestürmten Richter undAnwälte, und schonten dabei nicht ihres geliebten Gel-des, das ihnen in allen andern Fällen an die Seelegewachsen war.

Beide waren durch tägliches Hungerleiden zu Skelet-ten zusammengedorret und gewöhnlich nicht viel besserals Bettler gekleidet. Dieser armselige Aufzug bewogdann und wann einen Erbschleicher, ihre Garderobedurch einen Beitrag aus der seinigen zu verbessern, und

" Dieser Name ist die einzige Erdichtung im ganzen Auf-sätze.

Langbeln's sämmtt. Sehr. XV. Bd.

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