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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
178
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Zweites Kapitel.

Eines Tages ward Eduard zu seiner Mutter gerufen,deren Krankheit sich plötzlich verschlimmert hatte. MeinSohn, sagte sie, ich fühle in allen meinen Gliedern dieAnnäherung des Todes. Laß mich die letzten Augen-blicke, da ich noch der Sprache mächtig bin, zu Geständ-nissen und Herzenserleichterungen anwenden.

Ich bin nicht, wie Du bisher geglaubt hast, in die-sem Lande geboren. Mein Vater war ein Forstbedicn-ter jenseits der Gränze. Er besaß viel Geschicklichkeitund Erfahrung in seinem Fache, und hatte immer jungeEdelleuie im Hause, die er in der Forstwissenschaft un-terwies. Sie gingen bei uns in die Kost und warenmitunter beschwerliche Gäste. Doch sie bezahlte» gut,und die geringe Besoldung meines Vaters machte diesenZuschuß nokhwendig.

Ich wuchs heran; man fand mich schön; unsere Haus-genossen sagten mir Schmeicheleien über meine Gestalt,und bewarben sich wetteifernd um meine Gunst. Ichging ihnen, wo es möglich war, aus dem Wege. MeineMutter besorgte das Hauswesen allein, und ich erschiennur bei Tische, wo die Gegenwart und der Ernst mei-nes Vaters die muthwillige Jugend im Zaume hielt.

Als ich aber kaum das siebenzehnte Jahr erreichthatte, nöthigte mich der Tod meiner guten Mutter ausmeiner stillen Eingezogenheit hervor. Ich mußte ihre