Druckschrift 
11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

7 3

12 .

Die Auswanderung.

Der Wonnemond nahte sich; Willbolds Erbleute rech-neten um so mehr auf eine stattliche Bewirkhung, daes der erste Festschmaus war, den sie von ihrem neuenHerrn zu hoffe» hatten; auch Hilda lag dem Vater flei-ßig an, den bösen Eingebungen des dicken Ritters nichtzu folgen, sondern der Stiftung redlich Genüge zu thun;aber er sagte Nein und immer Nein, und berief sichauf seinen Eidschwur. Am Ende bestieg er, um vonder lästigen Sache nichts weiter zu hören, in den letztenTagen des Blumenmonats seinen Gaul und ritt zumBesuch fcrnwolinender Freunde.

Der erste Mai kam; die Bauersleute legten ihreSonntagskleider zurecht, um bei dem Gastmahle, dessensie gewärtig waren, geschmückt zu erscheinen; doch schonam frühen Morgen eilte Hilda in das am Fuße desSchloßberges liegende Dorf hinab, ging von Haus zuHaus, entschuldigte den dießmaligen Wegfall des süßenBrests mit der Abwesenheit ihres Vaters, und hinter-ließ überall ein so reichliches Vergütungßgeschenk, daßsämmtliche Einwohner mit diesem Tausche vollkommenzufrieden waren. In den weiter entlegenen Dörfern,die bei der Burg Witkgau zu Lehen gingen, that To-rald, von dem Fräulein dazu beauftragt und mit demnöthigen Gelde versehen, ein Gleiches. So erschöpfteHilda aus eigener Bewegung ihre Sparkasse, um derBauern gerechten Anspruch zu befriedigen und die Burgvor nächtlichem Geisterspuk sicher zu stellen.