Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

Da warf er schnell den Heuchlcrmantel abUnd war nickt minderEin loser Sünder,

AIS andre schwache Menschenkinder.

Besonders im Punkt der Liebe kam er oft ans demTakte der theologischen Sittsamkcit. Er tändelte gar zugern zwischen verschwiegenen Wänden mit hübschen Mäd-chen oder Weibern, und seine blühende Wirthin stach ihmvorzüglich in die Augen-

Er grüßte freundlich her, sie dankte freundlich hin,

Und macht' auch oft durch Spende» süßer KuchenDem Elegant beherzten Sinn,

Sein Liebesbeil noch weiter zu versuchen.

Doch leider fand dazu sich weder Zeit noch Ort;

Der alte Hauepapa stand immer auf der LauerUnd hütete sei» Schätzchen fort und fort,

Wie einen Vogel in dem Bauer.

Magister Schlaukopf sah bald, wo die Zäume hingen,und spielte gegen den einfältigen Spießbürger, um ihnsicher zu machen, den gcschworncn Weiberfeind. Uebrigensließ er kein Mittel unversucht, sich in seine Gunst einzu-schmeicheln. Er weidete sein Ohr mit schauerlichen Ge-spenstermährchen und erzählte ihm Geisterbeschwörungendes berüchtigten Grafen Cagliostro und seiner Jünger.Bei dem Allen aber blieb der mißtrauische Keuschheits-Wächter selbst ein so hartnäckiger Geist, daß er sich nichtauf fünf Minuten aus seinem Hause verbannen ließ, ohneden Schatz, den er bewachte, mitzunehmcn. Er blickte so-gar, wenn ihn sein sternkundiger Hausgenosse auf ein an-gebliches Wunderzeichen in den Wolken oder ein Gestirnaufmerksam machte, nur mit einem Auge'gen Himmel und