Druckschrift 
25 (1852) Das gefährliche Schloß [u.a.]
Entstehung
Seite
940
Einzelbild herunterladen
 

9L0

wurde, und mehr dem Gebrüll eines sterbenden Löwen, alseiner Menschenstimme glich.

Seine Freunde fingen ihn in ihren Armen auf, als erdurch die Anstrengung gänzlich erschöpft niedersank, und tru-gen ihn unter stummer Trauer in's Schloß zurück, währendseine Tochter zugleich ihren Bruder beweinte, und die Ver-zweiflung ihres Vaters zu mildern suchte. Letzteres war aberunmöglich. Des alten Mannes einzige Verbindung mit demLeben war zerrissen und sein Herz dabei gebrochen. Der Todseines Sohnes hatte keinen Antheil an seinem Kummer. Wenner an denselben überhaupt dachte, so geschah dieß nur, alsan einen entarteten Knaben, durch den die Ehre seines Lan-des und Stammes verloren ging; er starb nach dem Verlaufvon drei Tagen, wo er nicht einmal seines Sohnes Namenerwähnte, sondern ununterbrochene Klagen über den Verlustseines edlen Schwertes ausstieß.

Nach meiner Meinung ist der Augenblick, worin der edleHäuptling zu einer letzten Anstrengung durch den Schmerz desAugenblicks erregt wurde, ein günstiger Gegenstand für Ma-lerei; es könnte dabei der Vortheil angewandt werden, dieGestalt des rauhen alten Mannes in wüthender Verzweiflungmit der Weichheit und Scheuheit der weiblichen Person inGegensatz zu stellen. Der vcrhängnißvolle Kampfplatz würdesich in der Perspektive darstellen lassen, so daß die beidenHauptfiguren gehörige Wirkung hätten, während die Dar-stellung eines Kriegers, der seinen Sohn erschlagen und dieEhre seines Vaterlandes verloren sieht, das Bild beim erstenBlick genug verständlich machen müßte. Würde es für noth-wendig gehalten, die Natur des Kampfes deutlicher zu zeigen,so könnte dieß' durch die Fahnen des St. Georg von der ei-nen der Schranken, und die des St. Andreas von der andernangcdeutet werden.

Ich bin re- re.

Euer ergebenster Diener,

der Verfasser des Waverley.

Druck der §. Hoffmailn'scher, Offieiu in Stuttgart.