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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
371
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Geschichte. Und doch hat der taube Mann das ganze Stück nichtverstanden.

Unser« Zeitalters Geschichte ist nur eine winzige Phrase imunendlichen Wcltschauspiel, dessen Bühne der Erdball, dessen Dar-steller die Menschheit in ihrer nngchenern Entzweiungmit sich selber ist. Wer die Phrase in ihrer rechte» Bedeu-tung verstehen will, muß sie nicht ans dem ursprünglichen Zusam-menhang heransreißen und daraus eine Verstümmelte Einzclnhcitmachen. Er soll sie in Verbindung mit dem ganzen Stück denke».

Das Bild Vom Baume der Erkenntniß des Guten und Bösen,welches an der Spitze von den ältesten, schriftlichen Urkunden desmenschlichen Geschlechts steht, ist der weissagende Prolog des bisjetzt noch unvollendeten, scchstausendjährigen Weltschauspiels; Ucbcr-schrift und Inhalt der gesammten nachfolgenden Geschichte derSterblichen.

In der Erkenntniß des Guten und Böse» entzweite sich dieMenschheit; sic ist noch heute getrennt. Ungeachtet ihrer Zwie-tracht, ringt sie nach dem höchsten Gut, und ungeachtet des Wider-strebcns Von Millionen, nähern sich diese dem Höher», ohne eszu glauben.

Das Schlechteste auf Erden ist die Erde, und was ans ihrkömmt und sich zu ihr thicrisch hinabneigt, als gewährte sie denrechten Genuß. Das Beste unter dem Himmel ist der Geist und

was sich zum Göttlichen emporarbeitet.-Da stehen die

uralten Kämpfer; immer dieselben seit Anbeginn, nur in ver-schiedenen Zeiten mit neuen Schilden, Fahnen, Farben und Namen.Da stehen gegeneinander Kain und Abel, das goldene Kalb und diemosaische Gesetztafel; der athenische Pöbel mit dem Giftbecher undSokrates; Kajaphas mit den Hefen Jerusalems und Christus Je-sus am Kreuz; das Hcidenthum und die Schaar der Märtyrer;