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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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293
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F u r st Ragotzki.

Man »inß wahrhaftig niemals seinen Feind verachten, nochweniger durch leidenschaftliches Verfolgen des Geringgcachteten ihnzur Verzweiflung und erst damit zu einer Wichtigkeit bringen, dieer ohne dem vielleicht nie erhalte» hätte. Ein auffallendes Beispieldavon geben die Abenteuer des siebenbürgischen Fürsten FranzLeopold Ragotzki zu Anfang des vorigen Jahrhunderts. Erwar freilich mißvergnügt mit der österreichischen Negierung, abergegen einen der mächtigsten Monarchen Krieg zu führen, fiel ihmwahrscheinlich auch im Traume nicht ein. Die Regierung aber liestihn im Jahre 17»l in Neustadt verhaften. Es dauerte mit seinenVerhören über ein halbes Jahr; es ward nichts entschieden', daentsprang er, als Dragoner verkleidet, glücklich nach Polen, froh,Leben und Freiheit zu haben. Aber das Wiener Kabiuet erklärteihn vogelsrci, bot zehntausend Gulden, wer ihn lebendig einbrächle,und sechstausend dem, der seinen Kopf liefern würde. Erst dieseProskription entschied ihn zu allen Schritten der Verzweiflung,und kostete dem Kaiser das Blut seiner treuen Nnterthancn, undschwere Summen. Denn Ragotzki setzte sich nun an die Spitze dermißvergnügten Ungarn; drang ins Nngarland ein, trieb die Kai-serlichen zurück, und führte ein paar Jahre lang den blutigstenKrieg mit so gutem Erfolge, daß ihn die ungarische Nation zuihrem Protektor ernannte. Nur mit Mühe ward Ungarn wiederberuhigt, »ud Ragotzki, zufrieden mit seiner Rache und seinemRuhm, starb erst viele Jahre nachher in seinem friedlichen Land-hanse zu Nodosto am Marmora-Meere.Der Kaiser," pflegteer zu sagen,hat den Zorn einer Viertelstunde mit einerNvth von zehn Jahren, mit dem Blut von vielen tau-send Unterthanen und mancher Tonne Goldes bezahlt.Ein Fürst fehlt nie wohlfeil."