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gäbe. Der Stadtrath deliberirte eines Tages lange über diesenGegenstand, und man stimmte endlich einmüthig dahin, dem Königedie Schlüssel der Stadt zu überreichen. Indem bemerkte man,daß ein alter Bürgermeister cingeschlafe» war, und seine Stimmenoch nicht gegeben hatte. Man weckte ihn auf. „Worüber wirdumgefragt?" rief er, und rieb sich die Augen. — Ob man denFranzosen die Stadtschlüssel überreichen soll? — „Haben die Fran-zosen sie denn schon verlangt?" fragte der Alte. — Nein, nochnicht. — „Nun gut denn, so wartet wenigstens, bis man sie unsabfordert."
Und dies einzige Wort (so geht die Sage) rettete die Repu-blik. Man setzte die ganze Gegend unter Wasser, gewann Zeit,genas vom ersten Schreck, und blieb frei.
Das Fenster.
Der Marquis de Louvois hatte in vollem Maße, was manoft gern als Negenten-Genic geltend machen möchte, das heißt:für den Ruhm seiner Nation opferte er kaltherzig das Glück der-selben hin. Streng war er bis zur Grausamkeit, prachtvoll, »n-erforschlich, rastlos thätig, intrigant, gewissenlos, groß in seinenEntwürfen, in der Vollziehung mit allumfassendem Blicke dasGanze und das Kleinste darin beachtend, in der Wahl seiner Leutevon sicherm Takt, und in der Politik der wahre GeistessohnMacchiavcls.
Sein König (Ludwig der Vierzehnte nämlich) fuhr ihn einesTages rauh an, weil in einem der neu angelegten königlichen Ge-bäude ein Fenster nicht recht angebracht war. Louvois war seitColberts Tode auch Oberintendant aller Bauten, Künste undManufakturen Frankreichs. Tief gekränkt ging der Minister fort,