Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126

Dies war seit alter Zeit das Wort der Weltgeschichte. UndThorheit ist's, statt dasselbe zu beachten, Stärke in Vergrößerungdes Flächenraums und der bloßen Menschcnzahl zu suchen.

Die Schicksale der jüngsten Zeit wiederholten den Spruch derGeschichte. Cs beginnen die Fürsten, ihn zu beherzigen. Sobaldfie das Volk durch freie Verfassungen mit sich vereinen, wird ihreSache vollkommen des Volkes Sache, ihre Ehre des ganzenVolkes Ehre. Man streitet und arbeitet für eigenen Vortheilinbrünstiger, als für fremden; der Sklav ficht um seine Hautverzweifelter, als für die seines Leibherrn. Die Fürsten, welchevon ihren Rechten anfopfern und sie dem Volke schenken, erkaufensich eine verdoppelte Staatsmacht: zu den Geviertmcilen undMenschenleibern noch das Herz und den Geist der Nation.Denn immer wird, diejenige Siation die meiste Vaterlandsliebehaben, welche ein Vaterland, nicht bloß ein Geburtsland be-sitzt. Gold und Ländereien sind nur das Gut Einzelner; Rechteund Freiheiten das Eigenthum Aller. Darin» sind Meinungs-kriege für Recht nnd Freiheit, bürgerliche, wie kirchliche, von je-her die schrecklichsten gewesen; denn sie waren Volkskriege. Derkluge König Friedrich Wilhelm von Würtemberg hat, seinVolk mündig erklärend, in den ersten Tagen seiner Staatsführung,eine Eroberung gemacht, deren Wichtigkeit das übrige Deutschlandim sernern Entwickclungsgang der Schicksale nicht bezweifeln wird.

Es mag sein, daß in Deutschland manche Völkerschaften An-fangs sehr gleichgültig gegen verbesserte und freiere Verfassungensind, und daß der große Haufe auf die empfangenen staatsbürger-lichen Rechte und Freiheiten wenigen Werth setzt. Natürlichschätzt er nicht, was er nicht kennt; und eben so natürlich könnenManche Unterthanen sogar mißtrauisch gegen Gaben der Fürstensein, denen zu geben sie bisher allein verpflichtet waren. Essollte mich Wundern, wenn von beschränkten Köpfen kein limvo