A» der obersten Höhe der Gotihardsstraße, in einem ödenKlippenthal, wo kaum noch zwischen einzelnen kleinen Seen nie-deres Gras grünt, und oft in der Mitte des Sommers die todtcEinförmigkeit des Winters herrscht, war sonst das Hospitium derKapuziner, mit einem Hospital, Stallung und Waarenmagazi»,gelegen, den Reisenden wohlbekannt. Einige Kapuziner bewohntendamals diese Einsamkeit, mit der Pflicht, den ermüdeten oder inGefahr schwebenden Wanderern beizustchen. Das Hospital gehörteeigcnthümlich der Gemeinde Airolo, welche darin einen Spital-mcister unterhielt zur Verpflegung der Kranken, oder armer Rei-senden, oder zur Unterstützung der Säumer und ihrer Saumrofse.
Wie mancher Fremdling hätte ohne solche milde Stiftung in diesenEinöden sein Leben eingebüfit! — Bald wird er plötzlich von einemSturmwind überfallen, der ihm Schneewolken nachjagt oder entgegen-treibt, alle Spnrcn des Weges verdeckt, seine Augen verblendet,bis er hilflos zwischen verhüllten Abgründen nicht vor-, nicht zu-rückeilen kann; bald stürzt von den Höhen mit donnerndem Getöseeine Lauwine nieder, die in ihrem Sturze Alles bedeckt. Noch imJahr 177S zerschmetterte eine dieser Lauwinen das Hospitium selbst.
In so stürmischen Tagen ward die Glocke des Hospitals ge-läutet, um verirrten Reisenden den Wink zu geben, wohin sie ihreRichtung zu nehmen hätten; oder der Spitalmeister und seineKnechte streiften von einer Seite des Berges zur andern, um die-jenigen aufzusuchen, die unter dem Schnee liegen konnten. Sienahmen Hunde mit sich, welche nach allen Seiten strichen, um
*) Außer dem, was von den Säumer« und von vermöglichen Reisendengezahlt wurde, erhielten das Hospitium und das Hospital jährlich vonden Königen von Frankreich und von den Erzbischöfen von Mailand be-stimmte Summen. Auch wurden jährlich znr Verpflegung der Krankenund , armen Wanderer Kollekten gesammelt.