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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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Seite
29
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LS -

schäften die beliebtesten Opfer zu schlachten? Ist das Kriegsgericht,welches binnen vicrundzwanzig Stunden znm Tode verurtheilenkann, nicht fast ganz ans jenen Begnadigten und ihren An-hängern besetzt?"

Solche Reden wirkten ans den Landmann. Die Priester jam-merten von Kanzeln und Beichtstühlen nm den Ilmsturz der Re-ligion; die Bergbewohner, denen Italiens Grenzen zum gewohn-ten Auswandern verschlossen waren, zagten vor Hungersnothin ihren Thälern. Keine Rettung aus diesen quälenden Verhält-nissen war vorhanden, als durch die wiederholten Siege kaiser-licher Waffen, und die Entfernung der Franzosen, welche vonallen Nebeln, so das Land drückten, als erste Stifter angesehenwerden mußten.

Bald erschollen Nachrichten von Jourdans verlorner Schlachtbei Stockach, und Gerüchte vom Rückzüge der Franzosen seitdemblutigen Tage vor Verona. Dies belebte die Hoffnungen und dieKühnheit der Demagogen. Sie weissagten dem Volke nahe Er-lösung vom Joche der schrecklichen Gesetze und von der Gewaltder ihnen verhaßten Vollstrecker derselben. Sie verstreuten mitfroher Aemstgkeit durch alle Thälerjede Sage, so von den Schlacht-feldern der Lombardei herübcrstog, und ihrer Sehnsucht schmei-chelte; und die Sage wandelte um so schneller von Zunge zu Zunge,je strenger die Wachsamkeit der Beamten wider deren Verbreitung war.

In dieser Stimmung des Volkes erschien der achtundzwanzigsteTag des Aprils, der Tag, an welchem die Flammen des Auf-ruhrs in den Gebirgsthälern von Bern, von Schwyz, von Nriund Wallis gleichzeitig emporsticgen.

Die französischen Armeen, überall von den kaiserlichen besiegt,waren in Deutschland, Bünden und Italien weichend.