Die Unzufriedenheit des Volks ward lebhafter, als eine Reihevon Gesetzen erschien, welche den alten religiösen und bürgerlichenGebräuchen dieser Bergvölker feindselig entgegentraten. Die Ein-schränkung der kirchlichen Prozessionen empörte die Geist-lichkeit und den gläubigen Haufen. — Alle junge Mannschaft wardin Folge eines andern Gesetzes zum Kriegsdienst eingeschrieben.Die Bauern im hohen Thalc Verzasca konnten nur durch Ge-walt gezwungen werden, ihre Namen in die Konskriptionsliste zugeben. Als nun im Anfang des Jahrs 1799 die Kompagnien derMilizen gebildet werden sollten, ward der Widerstand lauter. VieleJünglinge in der deutschen Schweiz, um sich den Kriegsdiensten zuentziehen, hatten sich dort über die Grenze geflüchtet. Darum er-schien ein strenges Gesetz, welches die Auswanderungen unter-sagte, und die Ertheilung der Pässe beschränkte.
Diese Maßregel setzte die italienischen Gebirgsbewohner inVerzweiflung, als die milde Witterung des Frühlings anbrach,wo nach alter Gewohnheit die Männer auszuwandern pflegten,um in den Städten Italiens Brod zu erwerben. Die Regierungachtete aller Gegenvorstellungen nicht, sondern drang auf Voll-ziehung. Sie erblickte in den wohlgemeinten Warnungen ihrerAmtleute nur Böswilligkeit. Sie glaubte um so williger den Ein-flüsterungen der Patrioten, und wähnte der Sache am entschieden-sten geholfen, wenn sie Männer aus diesen an die Spitze deröffentlichen Geschäfte stellte.
Im März 1799 entsetzte sie den RcgierungS-Satthalter desKantons Lugano, Buonvicini, einen gutmüthigen, 'rechtlichenMann, und ernannte statt seiner den Bürger Capra, einen derEinstchtsvollern von der italienisch-patriotischen Partei.
Capra unternahm sogleich die Veränderung der ihm unterge-ordneten Beamten. Diese Abänderungen der obrigkeitlichen Per-sonen, weit entfernt das Volk zu beruhigen, vermehrten dessen