Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
315
Einzelbild herunterladen
 

315

Wahrhaftig," sagte W-ilmson,wenn Ihre Flucht und dasTuch Sie nicht vcrricthen, sollte man in Ihren Kleidern keinenSpitzbuben vermnthcn." Mit diesen Worten riß er dem jungenManne den Raub gewaltsam ans der Hand.

Unverschämter Kerl! " schrie dieser ihn wüthend an, und machteeine Bewegung, die erlittene Beschimpfung zu rächen. Wilmsonaber versetzte eben so rasch seinem Gegner mit geballter Faust einendermaßen kräftigen Schlag ins zornige Antlitz, daß dies sogleichvom Blut aus Mund und Nase gefärbt ward, und der Getroffeneseitwärts taumelnd Haltung und Gleichgewicht verlor und zurErde stürzte.

Ohne sich um den Gezüchtigten ferner zu bekümmern, eilte derSieger mit seiner Beute wieder aus der Nebengasse zum breitenWege zurück, wo die Schwärme der neugierigen Gaffer und Lust-wandlcr sich schon in die Ferne, an der St. Katharinenkirche vor-über, gezogen hatten. Bald erreichte er sie, und durchkreuzte sienach allen Richtungen, um die schone Eigcnthümcrin des wiedcr-erobcrtcn Tuches zu erspähen. Während seiner Kreuzznge warer auch gegen den alten Krabb angerannt, der ihm von der ver-schwundenen Traurigen keine Kunde zu geben wußte. Er setzte'seinen Lauf rastlos fort, musterte bald von der einen, bald von derandern Seite die sich vorbewcgendcn Haufen, bald durchschnitt ersie in die Quer, lleberall, wo er einen Bekannten fand, fragteer nach dem Mädchen in Trauer, ohne Kunde zu erhalten. Sogelangte er, durch die ganze Länge der Stadt, bis zum Domplatze,wo der König mit seinem Gefolge vor dem Prinzenhause abstieg.Seine Angst und Ungeduld wuchs mit jeder verlornen Sekunde.Und hätten alle Majestäten des Erdballs einen Kongreß auf demMagdeburger Domplatzc gehalten, er hätte sie sowenig, als einenKongreß tanzender Mücken am Sommcrabende, beachtet. Er durch-lief den weiten Raum vor der großen Domkirche, und noch irrer