Druckschrift 
19 (1852) Woodstock oder der Ritter
Entstehung
Seite
434
Einzelbild herunterladen
 

434

wesen, und ihre Gefälligkeit gegen Männer von Genie keineGränzen gehabt habe."

O pfui über den Hund!" sagte Oberst Everard;derden Ruhm, von einem Dichter oder einem Fürsten herzustam-men, auf Kosten des guten Rufes seiner Mutter erkaufenwill, man sollte ihm die Nase aufschlitzen."

Das dürfte schwer fallen," antwortete der verkleidete Fürst,da er an die Eigenheit der Gestchtszüge des Barden dachte.

Will d'Avenant, der Sohn des Will Shakespeare!" sagteder Ritter, der sich vou seinem Erstaunen über den ungeheu-ren Anspruch noch nicht erholt hatte;das erinnert mich anden Vers im Marionettenspiel von Phaeton, wo der Held sichbei seiner Mutter beklagt

Es lachen ja die BanernkinderDu wärst der Sonne Sohn,

Du dummer armer Sünder?!"

In meinem Leben hörte ich keine solche Unverschämtheit! Will d'Avenant, der Sohn des glänzendsten, vortrefflich-sten Dichters, der je war, ist, oder sein wird! Aber ichbitte dich um Verzeihung, Neffe, ich glaube, du bist keinFreund von Theaterstücken."

Nicht doch, ich bin nicht ganz so streng, wie Sie michmachen wollten, Oheim. Zu seiner Zeit habe ich sie wohlauch gerne gehabt, und nun verdamme ich sie nicht ganz oderallzumal, obgleich ich ihre Uebertriebenheiten und Ausschwei-fungen nicht billige. Ich sehe selbst bei Shakespeare viele demWohlanstande und den guten Sitten anstößige Stellenvieles, was die Tugend lächerlich macht, das Laster empfiehlt,oder wenigstens die Abscheulichkeit seines Anblickes mildert.Ich kann nicht glauben, daß diese schönen Gedichte besonders: junge Leute beider Geschlechter ein nützliches Studium