vertraut war, im Zimmer des Victor Lee allein mit Alerisließ. In dieser Lage dielt er die Zeit nicht für ungünstig,eine erprobende Liebeserklärung zu machen, so wie die Croatencs im Sturme zu thun pflegen, wenn sie, die Zügel in derHand, jeden Augenblick bereit flehen, den Feind anzugreifen,oder wenn die Umstände es erheischen, davon zu eilen, ohnesich ihm zu nähern. Nachdem er ungefähr zehn Minuten miteiner Art metaphysischem Kauderwelsch verloren hatte, welchesAlexis, wie sie wollte, entweder für die Sprache der Liebeleioder für ernstere Ansprüche nehmen konnte; und gerade, alser vermuthete, sie würde jetzt ungefähr seine Meinung er-rathen, hatte er die Demüthigung, durch eine einzige einfacheaber unerwartete Frage zu finden, daß Alexis in diesemAugenblicke an alles Andere eher dachte, als an den Sinndessen, was er sagte. Sie frug ihn, ob er ihr nicht sagenkönne, wie viel Uhr es seie, und zwar mit jener Miene wahrerNeugierde, bei welcher sich an keine Koketterie denken ließ.
„Ich will auf den Sonnenzeiger sehen, Fräulein Aleris,"sagte Louis, indem er aufstand und über die Verachtung, mitwelcher er sich behandelt glaubte, tief crröthete.
„Sie werden mir eine Gefälligkeit dadurch erzeigen, Mr.Kerneguy," sagte Aleris, ohne im Geringsten den Unwillenzu vermuthen, den sie erregt hatte.
Mr. Louis Kerneguy verließ also das Zimmer, jedochkeineswegs, um die verlangte Erkundigung einzuziehen, son-dern um seinem Aerger und seiner Demüthigung freien Laufzu lassen, um mit ernsterer Absicht als früher zu schwören,daß Aleris ihre Unverschämtheit bereuen sollte. So gutmüthiger auch war, war er immer ein Fürst, und an Widerspruchund noch viel weniger an Verachtung nicht gewöhnt, und seinbeleidigter Eigendünkel fühlte sich auf's Tiefste verwundet.