Druckschrift 
19 (1852) Woodstock oder der Ritter
Entstehung
Seite
412
Einzelbild herunterladen
 

wogen, der ihrem Ausdrucke nach ein so schöner und anstän-diger junger Mann war, wie nur einer in Orfordshire, undmit dem sich dieser junge schottische Fant so wenig vergleichenließe, wie Kreide zu Käse. Und doch gab sie-zu, daß Mr.Girniky eine wunderbar geläufige Zunge habe, und daß solcheBewerbungen nicht zu verachten seien. Was konnte sie thun? Thatsachen waren ihr nicht bekannt, sie hegte nur einenallgemeinen Verdacht, und war zu ängstlich, mit ihrer Ge-bieterin zu sprechen, die, so groß auch ihre Güte war, dochnie zur Vertraulichkeit ermunterte.

Sie erforschte Jocolin; aber er nahm, fie wußte nichtwarum, so tiefen Antheil an dem unseligen Burschen, undhielt ihn so in Ehren, daß sie keinen Eindruck auf ihn machte-Mil dem alten Ritter zu sprechen, würde einen allgemeinenSturm erregt haben. Der würdige Kaplan, der in allenstreitigen Dingen Großreferendär in Woodstock war, wäre dienatürliche Zuflucht des Mädchens gewesen; denn er war fried-lich und strenge, rechtlich seinem Stande und seinem Betragennach. Aber zufällig hatte er Phöbe, ohne cs zu wollen, ein-mal dadurch beleidigt, daß er ihr den clasfischcn Beinamenllu8tica b'iclele') gab, was sie aber, da sie es nicht verstand,im höchsten Grade übel nahm, und erklärte, daß sie eineFiedel doch gar nicht lieber höre, wie eine Andere; und seitder Zeit vermied sie den Doctor Rochecliffe, wo sie nur konnte.

Unter allerlei Vorwänden ging Mr. Tomkins im Hauseaus und ein; aber er war ein Rundkopf und sie war denRoyalisten zu treu ergeben, als daß sie einen Feind in ihreinnere Zwistigkeiten cinweihcn sollte; überdies hatte er sichgegen Phöbe selbst auf eine Weise betragen, die sie dazu be-

*) Getreues Landmädchen.