Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
381
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grasen. Herr Rüdiger aber wandte sich zu seinem Sohn, zeigteihm des Herrn von Falkenstein Unterschrift ans dem beschriebenenPergament und sagte:Herr Thomas von Falkenstein, frei, hatuns die Urphcde beschworen, unterschrieben und besiegelt, wäh-rend jetzigen Krieges und zu keiner Zeit in das Gebiet unsererlieben Herren von Bern oder der freien Städte des Aargau'Sfeindselig einzutreten, weder aus eigener Willkür noch auf frem-den Befehl und unter andern Panieren. Dagegen wollen wir ihnungeschädigt von uns entlasten, um so mehr, da er allein, ohneHelfershelfer, ohne Waffen, ohne feindselige Absicht, nicht ein-mal in ritterlicher Kleidung, in die Stadt gekommen, auch nichtmit ehrenhafter Kriegsart in unsere Gewalt gefallen ist."

Ist mit ihm und Seinesgleichen ans ehrenhafte Weise zuunterhandeln? rief Gangolf unwillig, indem sich seine Stirn überdie düster funkelnden Augen runzelte.

Schweig!" rief Herr Rüdiger.

Wie könnet Ihr glauben, mein Herr Vater, fuhr Gangolffort: daß er mit andern, als höllischen Absichten in die Stadt kam?

Hier trat der Freiherr einen Schritt näher gegen Gangolfund sagte:Ich könnte jeder Rechtfertigung oder Entschuldigunggegen Euch enthoben sein. Aber ich bin »och jener von mir be-leidigten Jungfrau Erklärung, Genugthuung und Abbitte schuldig.Ich wußte nicht, daß sie die Freiin Veronika von End war, nichtdaß Freiherr Jörg im Lollhardenkittel stecke. Mag sie ihrer Schön-heit verzeihen, daß ich zum Narren geworden, daß ich . . .genug, wißt'S, hört's, ich jagte nur ihr nach, wollte nur auS-horchen, ob sie im Freihof wohne. Ich hätte mich auch nie indie Stadt gewagt, wär' ich nicht durch den Anblick einer verfluch,ten alten Here, der ich den Tod geschworen, dann durch Ver-muthung, daß eins der flüchtenden Mädchen die Begutte sei, bc-thört worden. Vermittelst Verkleidung traut' ich mir zu, unerkannt,