grasen. Herr Rüdiger aber wandte sich zu seinem Sohn, zeigteihm des Herrn von Falkenstein Unterschrift ans dem beschriebenenPergament und sagte: „Herr Thomas von Falkenstein, frei, hatuns die Urphcde beschworen, unterschrieben und besiegelt, wäh-rend jetzigen Krieges und zu keiner Zeit in das Gebiet unsererlieben Herren von Bern oder der freien Städte des Aargau'Sfeindselig einzutreten, weder aus eigener Willkür noch auf frem-den Befehl und unter andern Panieren. Dagegen wollen wir ihnungeschädigt von uns entlasten, um so mehr, da er allein, ohneHelfershelfer, ohne Waffen, ohne feindselige Absicht, nicht ein-mal in ritterlicher Kleidung, in die Stadt gekommen, auch nichtmit ehrenhafter Kriegsart in unsere Gewalt gefallen ist."
— Ist mit ihm und Seinesgleichen ans ehrenhafte Weise zuunterhandeln? rief Gangolf unwillig, indem sich seine Stirn überdie düster funkelnden Augen runzelte.
„Schweig!" rief Herr Rüdiger.
— Wie könnet Ihr glauben, mein Herr Vater, fuhr Gangolffort: daß er mit andern, als höllischen Absichten in die Stadt kam?
Hier trat der Freiherr einen Schritt näher gegen Gangolfund sagte: „Ich könnte jeder Rechtfertigung oder Entschuldigunggegen Euch enthoben sein. Aber ich bin »och jener von mir be-leidigten Jungfrau Erklärung, Genugthuung und Abbitte schuldig.Ich wußte nicht, daß sie die Freiin Veronika von End war, nichtdaß Freiherr Jörg im Lollhardenkittel stecke. Mag sie ihrer Schön-heit verzeihen, daß ich zum Narren geworden, daß ich . . .genug, wißt'S, hört's, ich jagte nur ihr nach, wollte nur auS-horchen, ob sie im Freihof wohne. Ich hätte mich auch nie indie Stadt gewagt, wär' ich nicht durch den Anblick einer verfluch,ten alten Here, der ich den Tod geschworen, dann durch Ver-muthung, daß eins der flüchtenden Mädchen die Begutte sei, bc-thört worden. Vermittelst Verkleidung traut' ich mir zu, unerkannt,