Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
360
Einzelbild herunterladen
 

360

Die Herren sahen einander zweifelhaft an, und schienen nichtzn wissen, ob sse ernst bleiben, oder ihrer zurückgehaltencn Lach-lust ungcfesseltcn Lauf gestatten sollten.

Meister Langcnhardt," sagte endlich Herr Rüdiger,deineReden haben einen Stich vom guten, alten Rothwetn, und ichmag'S dir nicht zürnen. Laß die Brücken aufziehe» und die Pfor-ten schließen. Den wüthigen Bancrntölpel werft auf ein BundStroh in die gute Gewahrsame links dem Keller, wo er den Rauschverschlafen mag. Morgen dann wird er wegen des frevelhaftenEinbruchs in diesen gefrcietcn Hof Red' und Antwort leisten kön-nen. Eben so sperre des Teufels Großmutter fest ein. Wir wollenuns mit ihrem Liebreiz de» Magen nicht verderben. Hingegendeine heilige Jungfrau ln Landestracht und ihre Begleiterin, welchedas Freihafen-Recht beide angerufen haben, führe zu uns. Ichhoffe, ihr Anblick wird hier den lieben Herren und Freunden nichtden Wein versauern."

Vortrefflich! rief Meister Jscnhofer: Ihr urtheilet, HerrRitter, wie es dem Rittersmann zum Schutz zarter Mägdlein,und einem gastfreundlichen HauSwirth z»r Versüßung nnscrs Mahlesgebührt.

Der Hofmeister verbeugte sich nach empfangenem Befehl seinesHerrn, und eilte, ihn gehorsam zu vollstrecken. Auch erschien erbald wieder, »nd öffnete die Thürc weit, durch welche zwo jungeBäuerinnen schüchtern hercintrateu, die ihre Gesichter, beschattetvon einem buntberändcrtcn, kleinen tellerförmigen Strohhut, aufdie Brust gesenkt hatten und sehr verlegen schienen. Sie warensonntäglich gekleidet, tu schneeweißen, banschigteu Hemdärmeln,mit silbergesticktem Göller und Brustlatz, über welchen an breitenversilberten Haften eben solche Ketten hin- und hergeschnkrt waren.Der kurze Nock, breit von den Hüften abstehend, mit tausend ein-gcnähte» kleinen Falten, die obere Hälfte zcisiggrün, die untere