Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

Zl!1

wunderbar, mein Gedächtnis;, glaub' ich, will altern! — seit ichaus der Hardhütte weggcführt wurde, haben diese meine Augendie Tochter nie wieder erblickt. Aber sie ist mir nnverloren; dennwas verliert sich aus dem Gebiet des ewigen Vaters?

Da wandte sich Gangolf hastig gegen den knienden Vogt desSchlosses und rief, und es funkelten seine Augen: „Wo ist dieTochter dieses Mannes? Warum führtest du die Begutte nichtauf diesen Platz?"

„Helfe mir Gott!" stammelte bebend der Burgvogt: „Ich weißvon keiner Tochter dieses alten Mannes, und von keiner Begutte.Ich gelobe und bcthcurc bei St. Urs und allen Engeln und Hei-ligen des Himmels, daß kein fremdes Weibsbild in das GösgerSchloß gebracht worden ist seit Jahr und Tag."

„Ha, du grauer, lügenhafter Schalksknecht deines ruchlosenGebieters, meinst du, ich traue deiner meineidigen Zunge mehr,als denr SatanSdicnst, in welchem du bisher gestanden bist?" sagteder Ritter: „Ihr wäret es, Böscwichte, ihr habet diesen Greisans seiner gottgcweihten Einöde entführt; werdet ihr die unschul-dige Jungfrau dahinten gelassen haben? — Bekenne! Wo hast dusic verborgen? Ich lasse die ganze Burg nmkehrcn und jeden Winkelaussuchen. Du weißt um die Geheimnisse deines Herrn. Bekenne,ich lasse dich an der Folterhaspcl aufziehen und mit Pech undSchwefel ansprengen, wenn du mir nicht Wahrheit offenbarest.Und ihr Andern hier," fuhr Gangolf fort, indem er sich nmhcr-wandte im Ring der Knienden, „wer von Euch mir von der Tochterdes Greises hier Kunde gibt, dem soll das Leben bleiben und einreiches Geschenk dazu werden. Eurer Aller Köpfe haften mir fürdie Jungfrau."

Es entstand ein klägliches Gewimsel und Heulen unter den Ge-fangenen; einige rangen in der Augst die Hände wund, anderewarfen sich mit der Stirn auf den Erdboden. Alle beisteuerten ihre