Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
313
Einzelbild herunterladen
 

— A3 —

Unterstützungen für die Hilfsbedürftigen heraneilen. Es kameneins ums andere Fuhren von Mehlfäffern, schon gebackenen Broden,und allerlei trockenen Früchten und andern Lebensmitteln; anderemit Wein beladen; wieder andere hoch auf mit Kleidern für jedesGeschlecht und jedes Alter befrachtet, als hätte» sich ganze Dorf-schaften entblößt, um hier die Nackten zu kleiden. Die Botschaftvom Unglück war fast eben so schnell durch Läufer von Dorf zuDorf, als durch die anfgestiegcne Flammensänle verbreitet worden.Und selbst diejenigen, welche sonst der Stadt nicht wohl an waren,entweder aus Eifersucht wegen ihres Ansehens und Wohlstandes,oder aus Argwohn, daß sie die österreichische Pfauenfeder im Busentrage und mit adelichcn Herren allzu freundschaftlich verkehre: über-ließen sich jetzt doch den schönen Aufwallungen ihres Mitlcidcns.

Man bemerkte es, das Volk war in einer heftigen, gereiztenStimmung. Noch immer rissen sich einzelne bewaffnete Rotten los,um den über das Gcbirg fliehenden Edellcuten, oder längs derAare, den entkommenden Schiffen nachzusctzen; Viele riefen, derganze Landsturm müsse nach Laufcnburg aufbrechen, die Stadt zer-stören, das Schloß ausbrennen. Andere schrien: Laßt uns erstmit den Schelmen und Verräthern Feierabend machen, die wir mitihren Schlössern in nnserm eigenen Land haben; die zu Oesterreichhalten und Stadt und Land verschlingen mochten' Andere schriensogar: Laßt nnS mit dem Adel nicht viel Federlesens machen.Oesterreichisch oder nicht, Edelleute und Wölfe ändern ihre Naturnicht; auch die gezähmten fletschen mit den Zähnen und werdenwieder reißende Bestien, sobald sie Meister sind. Die ganze Brutmuß ausgerottet werden, wenn wir frei »nd froh sein wollen. Sieleckt den Speichel der Könige und trinkt das Blut der Völker.Was ist je Besseres von ihr in die Welt gekommen, als unge-rechte Willkür und Knechtschaft, Todsall, Abgaben und Frohnden,ein Lebe» ohne Gott und Glauben, Hochmuth und Unzucht? Der