„Schweig', Vettel, verdammte!" rief der greise Rüdiger mitzorniger, aber sehr gedämpfter Stimme: „Oder ich breche dir dasGenick, eh' es der Henker bricht." Damit schloß er die Thurm-pforte.
Gangolf, welcher von dem Nothwclsch der Zigeunerin wenigverstanden hatte, glaubte doch so viel daraus folgern zu können,daß sie zu seinem Vater in einem besondcrn und gehcimnißvollenVerhältnisse gestanden habe nnd im Thurm Rore keineswegs hartbehandelt worden sein muffe. Es that ihn, fast leid, daß ihmSchweigen auferlcgt war. Doch beobachtete er'S gewissenhaft, in-dem er seine verzeihliche Neugier mit kindlicher Ehrfurcht über-wand. Er fand die Leiter; er öffnete das Hintere Psörtlcin: erführte die Alte zwischen Felsstücken und Gesträuchen an der schrof-fen Halde unter dem Thurm nieder zur Stadtmauer, lehnte dieLeiter an, stieg zuerst hinauf und ließ die Zigeunerin »achklcttern.Als sie droben war, zog er die Leiter auf und setzte sic von außen an.
„Gibst du mir einen Zehrpfeunig, sag' ich dir Schönes!" redeteihn die Alte an, indem sie jenseits der Mauer schon den Fuß aufder obersten Leitersprosse hielt. Gangolf suchte einige Geldstückeund gab sie der Zigeunerin, nicht sowohl aus Mitleiden, als auSFurcht vor geheimen Künsten, oder gefährlichen Verwünschungender Aegpptcrin, wenn er sic im Zorn vor der väterlichen Burgscheiden ließe.
„ Goldsöhnchen!" sagte sie, indem sie mit den Fingern der-selben Hand, in der sie das Geld empfing, die Stücke behend hinund her schob und zählte: „Laß dich'S nicht reuen. Du wirst hoch-alt , ein steinreicher Mann; und das schönste Kind ist deine Frau,wenn du pfiffig bist. ES hat dich lieb. Mach' bald Hochzeit. Eswartet ans dich. Greif' zu; schnappt'S dir sonst ein Anderer weg.Warte nicht, bis dein Väterchen heimkehrt: Väterchen kömmt langenicht heim."