27
Alter, ich verspüre Unrats)! Gesteh', aus welchem Kloster hast dudies Nönnlein weggelockt, um mit dir zu gehen?"
— Sie hat noch keinem Kloster angehört! antwortete trockenund kurz der Lollhard.
„Ich verstehe, Alter. Also dein Sexlenwcib, denn deinwirkliches kann sie nicht sein. Du bist alt genug, um bei ihrheilig zu bleiben."
— Herr, sie ist meine Tochter.
„Eine geistliche Tochter, denk' ich," versetzte Marquardlachend, „und wie mich bednnken will, mit nicht ganz heilemGewissen, denn umsonst verdeckt sie nicht das ganze Gesicht, alswär's gestohlene Waare. — Nun, fromme Begutte, laß michdein Antlitz schauen, wenn dein Gewissen gesund ist."
— Herr! rief der Alte ernst: Euer Stand gebietet Euch Ehr-furcht gegen Frauen.
„Hm, Lollhard, nicht gegen Alle, sonst müßt' ich auch desTeufels Großmutter die Hand küssen. Drum mit Erlaubniß, lassetsehen!" rief Marquard und trat zu der weiblichen Gestalt. DerAlte streckte den Arm zum Schutz vor und rief: „Wer gibt EuchRecht, unverschämt zu werden?"
Der Herr von Baldegg warf kräftig den Arm des Greises aufdie Seite, riß im gleichen Augenblicke gewaltsam den groben Tuch-mantel vom Gesicht der Verhüllten und staunte sic verblüfft an,weil er nicht wußte, wie ihm geschah. Es war ein freilich ihmunbekanntes Gesicht, aber eins, mit welchem man zeitlebens be-kannt sein möchte; im rauhen Gewände das feinste Engclsköpfchcnvoll göttlichen Ernstes; zwischen Felsengrau eine saustglühcndeAlpenrose. Der Herr von Baldegg war wohl über die Jahre hin-weg , wo der goldbraune Glanz solcher Locken nud der schöne Blicksolcher Blauaugcn gefährlich wirken kann; aber doch fühlte er sichvon eben hier nicht erwarteter Anmuth betroffen. Das Frauen-