Druckschrift 
6 (1853)
Seite
425
Einzelbild herunterladen
 

425

gefragt, von deren Erkenntniß großes Geräusch erhoben ward,und gesucht, ob sie mir vom höchsten aller Wesen Erhabeneresund Würdigeres sagen könnten, als ZcsuS ausgesprochen hat:sie unterhielten mich mit dunkeln Spitzfindigkeiten. Ich suchte,ob sie mir vom Weltall, dem Vatcrhausc aller Gotterschaffenen,und von dem Geheimnisse der vergeltenden Ewigkeit Anderesoffenbaren könnten, als Christus in göttlicher Kraft geoffenbarcthat: und ihr Größtes war, nur zu bestätige», was er verkündethatte. Ich suchte, ob sie mir auf einfachere und wahrhaftereWeise den Weg zur Glückseligkeit zu zeigen vermöchten, als Je-sus in Verkündung des Gotteswillens, der Weltordnung, der ewi-gen Gesetze in mir: sie konnten es nicht. Ich suchte, ob sie mireinen süßern Trost im Leben und im Sterben zu schaffen ver-möchten, als er: ich fand ihn nicht bei ihnen. Und so wuchsenin mir lebendiger die Uebcrzeugungcn von seiner Göttlichkeit,und mein Glauben und mein Lieben ward inniger zu dem, inwelchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Er-kenntlich. Alle irdische Wissenschaft thut kein Genüge. Ich rufe:Christus lieb haben ist besser denn alles Wissen!

Ja, lieben will ich ihn mit der überirdischen, unendlichenLiebe, wie er mich geliebct hat. Denn auch ich habe erlebtund empfunden, wie einst die Apostel, daß wir in allen Ver-hängnissen und Leiden keinen bessern Trost, keine erhebendere Hoff-nung, keinen felsenfester» Muth empfangen können, als durch ihn,von welchem seine Jünger lernten, daß alle Leiden dieser Zeitnicht wcrth sind der Herrlichkeit, die auf uns wartet. Was konntemich in lcidcnsvollcn Stunden beruhigen? War cS Glauben anMcnschengunst und Menschenmacht? War^ cs die schönste derirdischen Hoffnungen? War cs die tröstende Beredsamkeit mei-ner Freunde? Ach, das Alles nicht!

Es war ein frommes, stilles Glauben, Lieben, Hoffen; cs