Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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Erinnerungen beweinen; die Thränen sind ein edler Zoll derMenschheit; das letzte Opfer treuer Zärtlichkeit. Ach, was ichso heiß geliebt,'cs schlummert! Mein Arm streckt sich vergebensaus; mein leiser Seufzer ruft vergebens den mir so thcuernNamen; und meine Thränen fließen ungesehen!

Heilig sei mir die stille Ruhestätte der Tobten; da ruht dasEdelste, das Köstlichste des Menschen, das Kleinod seiner Liebe.Wir nennen diese Ruhestätte oft Gottesacker. Wohl ist sic GottesAcker, wo die herrlichste Saat gesäet ist, dem Tage der Garbenentgcgcnzurcifen.

Tretet herbei, die ihr einen theucrn Verlust beweinet, undlasset uns in heiliger Ehrfurcht das Andenken unserer geliebtenTobten feiern! Tritt herbei, du einsame Waise, die den frühen,ach, immer allzufrühen Tod eines guten, sorgsamen Vaters,einer liebenden Mutter betrauert. Tritt herbei, gebeugter Gatte,der dem Andenken eines theucrn Weibes seine Thränen widmet.Tritt herbei, liebendes Muttcrherz, welches um den Tod einesholden Kindes blutet o ihr Alle, die des Verhängnisses schwereHand gebeugt, und deren Geliebtes unter der Erde schläft: tretetherbei und folget mir im Geiste zur Ruhestätte unserer unver-geßlichen Lieben!

Ueber den Gräbern ihrer Tobten feierten einst die ersten Christenihrer Andacht schönste Stunden. Lasset uns, wie sie, dort unserüAndacht begehen! Auch wir haben verloren. Auch wir sindChristen. Auch wir haben ein Herz, welches Ruhe und Trostbedarf. Hin, im Geiste znm Grabe unserS Lieblings; wo istdem Herzen wohler, als in der Nähe dessen, den es liebt?

Auch dort ist Gott! Ja, über den Gräbern der geliebtenTobten schwebt er, der Vater Aller, der Vater der Tobten undLebenden, in seiner Allgcgcnwärtigkeit. Ueber den Gräbern ist' Gott, der Gott des Lebens, in welchem keine Vergänglichkeit ist.