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6 (1853)
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meine ganze Kindheit, die Reihe meiner verflossenen Jahre biszum jetzigen Angenblick vor mir. — Schon habe ich viel erfahren,und doch immer noch nicht genug, um ganz weise zu sein. Wieals Kind ich sonst aus Unwissenheit fehlte, fehle ich leider jetztnoch aus Leidenschaft. Die Welt und ihr Gutes sind mir nichtmehr neu; aber ich bin noch immer ein Anfänger im Guten. Ichhabe schon Manches, was meinem Herzen das Theuerste war,verloren, und doch hängt sich eben dies Herz noch immer so un-besorgt, so innig an mancherlei Irdisches, als könne cs mirnie genommen werden. Weise sein, heißt sich über alle Täuschungerheben. Warum täusche ich mich aber noch so gern selbst, un-geachtet ich aus Erfahrung endlich wohl weiß, wie bitter cs ist,sich zuletzt betrogen zu finden in seinen Erwartungen? Freund-schaft, Liebe, Glück, Ehre haben mich oft hintergangen; meinHerz blutete. Und doch vertraue ich und baue ich immer nochmehr auf äußere Dinge, als auf meine eigene Kraft. Ich habecs schon vielmals erfahren, daß nicht das, wonach wir ungedul-dig streben, unser Glück ist, sondern daß nur Genügsamkeit dieGrundlage unserer Seelenruhe, Zufriedenheit mit dem, was wirhaben, das Wesen des Glückes sei; und doch vergesse ich nochallzuoft mich selbst, und trachte in äußern Umständen zu finden,was ich nur in meiner Brust suchen soll. — Ich habe schon oftim Laufe meiner Schicksale erfahren, daß kein Ereigniß für michso unglücklich war, welches nicht seine guten Folgen gehabt, daßkein Berhängniß so finster gewesen, welches nicht unverhofft durcheinen plötzlichen oder unmerkbaren Wechsel der Dinge angenehmeHeiterkeit empfangen hätte: und dennoch zittere ich noch heutebei jedem Unfall mit kindischer Verzagtheit; doch quäle ich michnoch mit vcrzweiflungsvollcn Sorgen, als wenn cs keine Vor-sehung gäbe, die über den Lauf meiner Begebenheiten wacht.

Wohl ist es endlich Zeit, daß ich weiser werde, je mehr meine