Druckschrift 
6 (1853)
Seite
329
Einzelbild herunterladen
 

- JA -

mit Gott wird der unsterbliche Mcnschengeist und seine Handlungs-art vergöttlicht. Er thut nicht das Kluge, Nützliche, Gerechteallein: es strebt sein gottbegcistcrtcs Gemüth zur Vollkommenheitund Weltbeseligung.

Weil aber unsere Gefühle oft auf lange Zeit erschwachcnkönnen, und die Zerstreuungen des Wcltlebens uns oft auf langeZeit von göttlichen Dingen abzichen können, ist es wohlgethan,äußere Hilfsmittel nicht zu verschmähen, durch welche wir unsfromme Gedanken und Gefühle leichter vergegenwärtigen. Zusolchen Hilfsmitteln gehören heilige Gesänge; wer kenntnicht die Macht der Töne über das menschliche Herz! dasLesen erbaulicher Schriften, die uns in gleichem Ver-hältnis) erheben und zu einem göttlichen Sinn erwecken, ryic sieuns belehren; der Besuch der Kirche, zumal der Predigt,und Verkündung des Wortes Gottes, wo auf die Veredlungund Heiligung unsers Gcmüthcs in lehrreicher Darstellung derGröße Gottes, des Wandels Jesu, der Liebenswürdigkeit der' Tugend und der Schändlichkeit des Lasters gearbeitet wird.

Ach, mein Vater, mein Gott, um Dich mir zu vergegen-wärtigen, könnte es mir denn jemals an Mitteln fehlen? Redetnicht Alles zu meinem Herzen von Dir? Bist Du nicht meinAlles? Bin ich nicht Alles nur durch Dich? Und sind gleichzuweilen die Flügel meines Geistes gelähmt durch die angcbornenSchwächen meiner irdischen Natur, kann ich mich, auch mitallem Ernst meines Willens, nicht in solcher Kraft immer zu

Dir erheben, als in einzelnen, geweihtem Augenblicken-

o mein Vater, o mein Gott, doch liebt Dich mein Geist, undhängt an Dir mit unsterblicher Ehrfurcht und Liebe. Und schweigt

mein Mund, o mein Geist vcrläugnet Dich ja nie.-Sende

Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie mich leiten! Amen.