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schwillt«! mit der Zeit; warum nicht manches andere, minderheftige Gefühl? Ja, es ist gewiß, daß eine lebhafte Aufwal-lung der Empfindungen nie lange in gleicher Starke dauert,und daß der Mensch nicht fähig wäre, sie ununterbrochen zuertragen.
Gedanken kann sich der Mensch zu jeder Zeit schnell zurück-rufcn, ohne große Mühe; aber Gefühle kann er nicht plötzlichdurch den bloßen Willen in sich erneuern; und wenn er eS könnte,würde solche erkünstelte Freude, erkünstelte Liebe, erkünstelte An-dacht — keine wahre Freude, Liebe und Andacht sein. Der Ge-danke ist mehr eine Handlung des Geistes, der in uns lebt; dasGefühl aber hängt mehr von der jeweiligen Stimmung undReizbarkeit unserer Nerven, und von äußern oder innern Ereig-nissen ab, welche ungewöhnlich auf sie wirken. -Daher gibt eswohl feste Grundsätze, denn sie beruhen auf Ucberzeugungendes denkenden Geistes; aber keine festen Gefühle, denn sie be-ruhen auf dem Irdischen in uns, und alles Irdische ist der Wandel-barkeit unterworfen.
Aus diesem ergibt sich nun von selbst, daß meine Religiositätum so wankender und sich ungleich sei, je mehr sie sich aufbloße Gefühle stützt. Weicht der Boden: wie mag dasdarauf beruhende Gebäude bestehen? So wenig der Mensch imStande ist, durch seinen bloßen Willen in immerwährender Freu-digkeit, in unveränderlichem Entzücken oder in glcichbleibendemSchmerz zu sein: eben so wenig ist er fähig, sich durch seinenbloßen Willen in die tiefste Rührung, Andacht und Inbrunst zuversetzen, oder immer im Gewühl des Lebens dasjenige mit dergleichen Innigkeit zu empfinden, was er sich in einer begeister-ten Stunde des Gebetes so zu empfinden vornahm. Daß mannicht jederzeit den sehr richtigen Unterschied zwischen Gefühlenund Gedanken beobachtete, gab sehr guten Christen oft Anlaß,