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6 (1853)
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worfenste Wüstling auch noch an Andern, wenn er sie selbst schonverlor? Entzückt nicht auch noch den Lasterhaften das schöne Roth,mit welchem Unschuld die Wangen überstreut? Erkünstelt underheuchelt nicht selbst die Tiefgcsunkcnste ihres Geschlechts jeneTugend, um liebenswürdig zu sein? Wie ist es möglich, daßder Mensch muthwillig einbüße, was er an Andern bezauberndfindet und beneiden möchte? Wie ist es möglich, daß der Menschsich selbst mühsam um ein Glück bestehle, welches die heiligeSchutzwehr seiner Tugend und seines innern Werthes ist?

Solche Frage, wen» sic Jedem wichtig ist, muß es dem Chri-sten noch weit mehr sein, der kein höheres Gut, kein ewigeres, keinbeseligenderes kennt, als seine Scelenrcinheit, seinen Scclcnadcl-

Die mächtigste, die gefährlichste Feindin der Schamhaftigkeit,zumas bei dem weiblichen Geschlecht, ist die unmäßige Gefall-sucht, welche mit blinder Begierde Alles ergreift, wodurch siesich liebenswürdiger zu machen hofft. Es ist die Modesucht,welche alle, auch die empörendsten Verirrungen des Geschmacksentschuldigt, und dem sittsamsten Gcmüthe die unzüchtigste Be-kleidung rechtfertigt.

Das Weib, zarter und reizbarer von den Händen der Naturgebildet, als der Mann, welcher bestimmt ist, schwerer die äußernStürme des Lebens zu tragen, hat auch ein feineres Gefühl fürdas Anständige, Sittige, Schöne und Edle, als der Mann.Durch ihre Schöpfung auserkoren, des Mannes ranhen Sinnund Härte mit Sanftmuth zu mildern, ihn durch das Schönean das Gute zu binden, ist der Gattin und der Jungfrau dasGefühl der Schamhaftigkeit in höhcrm Grade eigen. Ein Weib,welches diesen zarte» Sinn für das Anständige verloren, undnicht mehr vor einem unreinen Gedanken, geschweige vor einerunlautcrn Handlung, crröthen kann, wird der Gegenstand derVerachtung von seinem eigenen Geschlecht, und des Hohnes der