anzuhörcn schwach und leichtsinnig genug ist, oder wohl gar zudenselben durch ihr eigenes Betragen Muth gemacht hat, kannim Gemiithc des verständigen Jünglings und des tugendhaftenMannes, wie in der Brust des schon verdorbenen Menschen, nureine heimliche, unwillkürliche Verachtung erzeugen. — Das Gc-ständniß einer Liebe, deren Zweck und Heiligung nicht Vermählungbeider Personen sein kann, ist der Anfang vom Tode dieser Liebeselbst. Denn im Gcstäuduiß schon stirbt die Hochachtung, ohnewelche keine wahre Liebe möglich ist; in der unerlaubten, lich^scheuen Vertraulichkeit verschwindet das Geistige und Schöne derverklärenden Empfindung, und au die Stelle desselben tritt rohes,thierisches Gelüst der Sinne, und endet mit viehischer Stillungdesselben, zuletzt mit Ucbcrdruß und Ekel, oder Verzweiflung,Schmach und Herzeleid. Gott, wie vieler-jungen Leute, wievieler Familien UnglückSgeschichtc liegt in diesen wenigen Zeilenbeschrieben! — Bewahre dein Herz, denn daraus gehet das Leben!
Nicht immer wirst du dich des bcsondcrn Wohlgefallens aueiner Person andern Geschlechts, oder einer zärtlichem Neigungerwehren können. Zufälligkeiten des Umgangs und der Verhält-nisse können dich mit derselben zusammcnführcn. Aber meide,daß sie dir jemals werthcr und bedeutsamer werde, als alle an-dern ihres Geschlechts dir sind. Erhalte deinen leichten Sinn,die Freiheit deines Herzens, um nicht einer thörichten, lebens-zerstörenden Sclbstverblendung und Leidenschaft zum Raube zuwerden. Du bist in Gefahr, es zu werden, sobald du außerder Nähe dieser Person nicht mehr, wie sonst, glücklich bist; so-bald der Gedanke an sie dich unablässig verfolgt; ssobald unterdieser Neigung alle andern cdcln Neigungen in dir schwächer zuwerden beginnen. Das ist schon Anfang der Leidenschaft. Be-denke das Ende!
Willst du ihren herzzerreißenden Ausgang nicht erleben: soVI. 7-«