Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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Gesetz ni der Schöpfung. Der Eine hat mehr Scharfsinn, derAndere mehr Einbildungskraft; der Eine mehr Gefühl, der Anderemehr ruhige Ueberlcgung; der Eine mehr Urthcilskraft, der An-dere mehr Erfahrung. Indem der Schöpfer nun seine Gabenalle ungleich vcrthciltc, damit Einer dem Andern diene, durchdas, was er empfangen hat: sollen wir uns deswegen rühmen,und den Andern verachten oder gar verfolgen, weil er, vermögeder ihm verliehenen Natnrgabcn, nicht mit uns in Worten undVorstellungen Übereinkommen kann? Nimmermehr; das ReichGottes stehet nicht in Worten. Nur der irrt, welcher von An-dern Vorstellungen und Worte vernimmt, die er mit seiner Artzu sein nicht in Harmonie bringen kann, also daß er mit sichselber in Zwietracht verfällt.

Das Reich Gottes stehet nicht in Worten; nicht im Wort-machcn; nicht im langen und vielen Gcbcttrciben; nicht im fort-währenden Laufen zur Kirche; nicht im äußerlichen Andachtschcin;nicht im Ablcscn und Auswendiglernen von frommen Sprüchen,Liedern, Gcbctsformcln das Alles fordert unser Heiland nicht.Aber er kannte der Menschen Vcrirrlichkeit. Er warnte davorseine Jünger und alles Volk, das an ihn glaubte. Ein Seuf-zer des bußfertigen Zöllners galt ihm mehr, als die stunden-langen Andachten der gern fromm sein wollenden Pharisäer.Wenn du betest, sprach er, so gehe in dein Kämmerlein, undschließe die Thür zu, und bete zu deinem Vater im Verbor-genen; und dein Vater, der in das Verborgene stehet, wirdes dir vergelten öffentlich. Und wenn du betest, sollst du nichtviel plappern, wie die Heiden; denn fie meinen, fic werdenerhört, wenn sie viele Worte machen! (Ev. Matth. 6,6.7.)

Also sprach Christus, der göttliche Sohn, der Stifter desgöttlichen Reichs. Wehe, und doch wie vielen, oft nur durchDeisviel oder Gewohnheit Verführten ist ihre Religion nichts,