Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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Grabes sein mögen? Haben nicht alle ein ewiges und eingleiches Gesetz in ihrer Brust, das Gesetz der Gerechtigkeit undLiebe, das Gesetz, ans welchem alle Tugend, aller Abscheu vorVerbrechen stammt; das Gesetz» welches Zesus in den Wortenaussprach: Was du willst, daß dir die Leute thun sollen,das thuc du ihnen auch! Warum weigerst du dich, mitPetrus zu sprechen: Auch ich erfahre es mit der Wahrheit, daßGott die Person nicht ansieht; sondern in allerlei Volk,wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm ange-nehm! (Ap. Gcsch. 10, 34. 35.)

Warum weigerst du dich, andere Christen, weil sic in ihrenbesonder» Vorstellungen von der dcinigcn abwcichcn, für so voll-kommene und weise Christen zu halten, als du bist? Oder warumdünkst du dich erhabener, als sic, weil sic weniger kenntniß- undcinsichtvoll sind, als vielleicht dn, und Gott nach ihren einge-schränkten: Begriffen in der Einfalt und Dcmuth ihres Herzensverehren? Nicht das Wissen macht den Christen, sondern dieLiebe Jesu Christi, die Liebe, mit der er, der Heilige, dieMenschen geliebt hat, mit der auch wir sie lieben sollen, diesemacht den Christen. Denn das Reich Gottes besteht nichtin Worten, sondern in der Kraft, (l. Kor. 4, 20.)

Es liegt in diesem Ausspruch der heiligen Schrift ein tieferSinn. Es ist dcö Christen würdig, ihn ganz zu durchdringen,und hinwieder sich selbst mit ihm zu durchdringcn. Das göttlicheWort übt dann erst seine Kraft über dcö Menschen Geist undganzes Gcmüth, wenn wir cs in uns zu einer lebendigen Er-kenntniß gebracht haben. Denn dunkele Vorstellungen verschwin-den bald wieder ins Dunkele; nur was wohl begriffen und ver-standen worden ist, bleibt im Gedächtnisse treu.

Das Reich Gottes stehet nicht in Worten, sondern in Kraft.Was ist das Reich Gottes?