ISö
pfangcn, rer uns zum Lesen des großen, göttlichen Alls vorbe-reitet. Begreife ihn im kindlichen Glauben. Du bist nicht ver-gebens geschaffen, und kein Zufall warf den Begriff von Ewigkeitin die Welt. Es kommt der Tag, der dir den zweiten Buchstabenentschleiert. — Handle, glaube muthig darauf hin — er kommtvielleicht dir schon vor deinem Tode.
Das entgengesctzte Hebel von der Krankheit, mit der Einbil-dungskraft das Unendliche durchfliegen oder mit dem eingeengtenVerstände das Höchste crmcffcn zu wollen — was endlich uoth-wcndig zur Zweifelsucht entarten muß — ist: wenn der Menschseine Religio» in bloße blinde, schwärmerische Gefühle setzt, undwähnt, vermöge beständige» Betens, beständigen Sclbstbeschauens,beständiger Hcrzcnszerknirschung in das Allcrhciligste einzu-dringen. — Er findet sich hier abermals im Widerspruch mitseiner eigenen Natur und der Welt. Er sehnt sich nach Ruhe,nach innerer Seligkeit, nach Vereinigung mit Gott, und findetsic nicht. Denn er bemerkt zu seiner Betrübniß, daß seine An-dacht nicht immer die Inbrunst hat, die er ihr wünscht ; daß seineGefühle oft wider seine» Willen erkalten; daß er sich selbst oftkeinen einzigen Tag gleich sei. Darüber erschrickt er. Er ver-liert mehr Ruhe, als er findet. Er fängt an, an seiner eigenenSeligkeit zu zweifeln, und daß er je zur Gnade gelangen könne.Er hält sich für verstoßen von Gott, für allzuirdisch und unwür-dig. Seine Neue wird wieder inniger, sein Gebet feuriger, seineAndacht stärker; und dann nach einigen Tagen sinkt er in dienämliche Kälte zurück, und wird muthloscr an seinem Heil, alser jemals gewesen. Er ergibt sich bangen Zweifeln an GottesHuld und Barmherzigkeit.
Der Unglückliche! — er ist cs durch sich selbst. Er ist cs, daßer die Macht der Religion in bloßen Gefühlen sucht, und mitgetrennten Kräften, nicht auch im ruhigen Nachdenken über sich,