Druckschrift 
6 (1853)
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

182

Kraft GottcS,

Stärke mich!

Dnfi ich von Sünde» frei j» Gott erhoben werde,Von dieser Erde!

deicht Alle, die zur christlichen Kirche gehöre», gehören zumchristlichen Glauben. Wem wäre diese Erfahrung unbekannt?Und auch wohl Mancher, welcher diese Zeilen liefet, wird in sichgehen und denken:Ich gehöre allerdings zur christlichen Kirche,aber wohl ebenfalls nicht zum christlichen Glauben! Ich selbstbin mit mir noch nicht ganz einig, was ich mir unter diesemGlauben denken muß, und wie er aus mein ganzes Wesen zumeiner anhaltenden Beruhigung und Seligkeit wirken könne. Ichschwanke noch immer, und oft wider meinen Willen, in allerleiZweifeln, die sich mir von selbst aufdringen. Ich sehne michnach Licht, und bleibe in ewigen Dämmerungen. Ich suche imStillen nach dem Bessern, und kann cs doch nicht ergreifen.Auch mag ich mich Niemandem gern in diesen Sachen offenbaren;denn cs kann mir Niemand helfen, wenn ich mir nicht durcheigene Kraft des Nachdenkens und Forschens helfen kann. Zudemmuß ich wohl noch besorgen, wenn ich einem Andern meinen un-angenehmen Gemüthszustand offenbare, daß ich verkannt werde.Ich möchte cs meinem besten Freunde nicht sagen, aus Furcht,seine Achtung könnte sich gegen mich verringern. Denn man liebtund traut nur demjenigen vollkommen, von welchem man glaubt,daß er eine gewisse Entschlossenheit und Stärke der Denkart habe,in keinem Dinge wanke, am wenigsten in seinen höchsten Ange-legenheiten."

So denkt Mancher. Und VaS Evangelium liegt todt vor ihm;und die Freude des Lebens, die wahre, reine Freude am Dasein,weicht aus seiner Brust; und die herrliche Welt , das glänzende