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Bekenne die Wahrheit, wcmi ihr Verhehlen Ander» eine»größer» Nachihcil bringt, als dir Voriheil; bekenne sie, wennihr Verhehlen zwar Einige» nützt, aber noch weit Mehrern Gefahrvroht. Die Liebe wird dich lehren, was Recht sei; n»r sie öffne direen Mund. Aus Nachsucht Wahrheiten an den Tag bringen, ist eineben so schimpfliches Vergehen, als sie aus Eigennutz verbergen.

Bekenne die Wahrheit, wenn auch dir das Bekcnntniß schäd-lich würde; aber verbirg sie schonend, wenn sic das Glück guterMenschen stört. Verbirg sic, wenn du, ohne Schaden Anderer,Verschwiegenheit gelobt hast. Verbirg sic, sobald du fühlst, daßdas, was du fürwahr hältst, noch nicht einmal ganz unzweifel-haft ist, und bei Andern Verdacht und Unruhe erregen müßte,ohne lieber,zcugung zu gewähren. Verbirg sie, sobald du fühlst,raß cs noch nicht die rechte Stunde sei, wo sic wohlthätig er-scheinen kann. Denn Alles hat seine Zeit. Die Liebe wirddich cs lehren, wann der glückbringende und vorthcilhafte Augen-blick da sei.

Darum ehre das auch au Andern, was ihnen Wahrheit scheint,wovurch sic redlich und fromm sind, ob dir cs gleich Jrrthnmoder Vorurthcil zu sein dünken mag. Lebst du unter Menschenvon anderer Religion, wirf dich nicht unberufen zum Wahrheits-Prediger auf; hüte dich, ihre» Glauben durch Zweifel zu erschüt-tern. Jeder Mensch ist nur in seinem Glauben selig; jederMensch ist nur seines eigenen Glaubens fähig. Wird seinGeist Heller, so wird er allgemach das Vornrtheil von sich ab-strcifcn. Siche nie darauf so sehr, wie dein Nächster glaubt,sondern wie er handelt. Führt er ein Leben nach Jesu Sinn,o so ist er Jesu Jünger. Gott rechnet uns einst nicht die Irr-thümcr des Verstandes, sondern nur die Verirrungen des Herzensan. Aber die Liebe wird dich lehren, wie du behutsam und scho-nend die allfälligen Vorurthcilc deines Freundes von ihm lösest.