Druckschrift 
6 (1853)
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

159

Gedenke, wovon du gefallen bist, und thueBuße, und thue dieersten Werke: wo aber nicht, spricht der Herr, werde ich dirkommen bald, und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte,wo du nicht Buße thust!" (Offcnb. 2, 5.)

Zc länger derMcnsch anstcht, sein besseres Selbstzu retten, je tiefer versinkt er in den Schlamm desirdischen Lebens. Es ist eine elende Selbsttäuschung, zuhoffen, man werde sich unter veränderten Umständen bessern können,nur jetzt noch nicht, wo noch so mancherlei uns zwingt, die altegewohnte Lebensart und Denkweise fortznsetzen. Nein, dies istdie Sprache deiner Feigheit, deiner Verworfenheit! Nicht dieUmstände, in denen du lebst, machen dich schlechter,als du sein solltest; so ndcrn du, durch deine Sinnes-art, durch deine Verdorbenheit, machst die Umständeum dich schlechter, als sic sein sollten. Dein kleinlicherEhrgeiz, dein Horchen auf das Urthcil mancher Leute, deineFurcht vor ihrem Spott hält dich ab, so vollkommen gut zu han-deln, als du überzeugt bist, daß du könntest. Siehe da» deinEhrgeiz, deine Eitelkeit sind die geschwornen und furchtbarstenFeinde deiner Ruhe! Sic sind cs, nicht die Umstände, wie dudir selbst cinrcden möchtest, welche dich an Erfüllung jener heiligenGelübde verhindern, die Gott noch nicht vergessen hat.

Thnc Buße, das heißt, ändere deine Lebensart, nicht nurdeine äußerliche, sondern auch deine innerliche! Du gelobtest Gott,niemals ein Heuchler zu werden, sondern ein wahrhafter Mensch.Du hast deine Gelübde nicht den Menschen gegeben, daß du vorihnen gut und rein erscheinen wollest, sondern Gott hast du siegebracht, dem Allwissenden, dessen Blick hell durch alle Finster-nisse und Bewegungen deines GemüthS schaut.

Erfülle deine Gelübde, aber bald denn Stunden und Jahreverfliegen, wie ein Morgentraum. Was hast du von dem noch