Druckschrift 
6 (1853)
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her scheint verwandelt; scheint nicht mehr so heilig, so schön zusein, weil ich mich selbst in meinem Innern verändert suhle. Ichhabe nicht mehr die alte Heiterkeit, die stille Harmlosigkeit, denSeelenfrieden, der für mich aus dem Vertrauen auf GottesVatcnvctshcit hcrvorging. Ich bin unter den Menschen nichtmehr wie unter Brüdern, sondern schüchtern und argwöhnisch,wie unter geheimen Widersachern. Ich habe meine Augen mehrauf das Irdische als auf das Göttliche gerichtet, und doch dünktmich alles Irdische nicht mehr mit jenem wundervollen Reiz um-geben, der mich einst so oft entzückte. Ich habe oft noch denWunsch, groß und christlich-edel zu denken und zu handeln; abertausend kleine Ncbenrücksichtcn drängen sich dann zwischen meineSeele und den heiligen Wunsch, und ich bleibe kraftlos und ge-mein. Noch ist oft das Glück der ganzen Welt mein höchstesVerlangen; ich beklage cs schmerzlich, wenn ich so viel Elendund Gebrechlichkeit des Lebens, den Jammer von Familien und'Völkern sehe, als strafende Folge einer allgemeine» Verderbtheitdes Herzens aber ich habe keinen Muth, das Bessere zu leisten,und kehre immer voller Selbstsucht zu mir zurück, und halte dieKlugheit oft mehr wcrth, als die Größe der Seelen, die nichtsscheuet für Gott, Wahrheit und Wcltglück.

Meine ersten Gelübde schweben halbvergesscn hinter mir inden Schatten der Vergangenheit, wo ich sie einst schwor; unddie Thräncn, mit welchen ich sic voll inbrünstiger Andacht demHimmel darbrachtc, haben ihre Kraft und Bedeutung verloren.

Wohl fühle ich mich schuldig, und daß es meinem Herzengilt, wenn das göttliche Wort spricht! Aber ich habe widerdich, daß du die erste Liebe vcrlässest. (Offenb. Joh. 2, 4.)Gott war meine erste Zuversicht und Freude, Jesus meine ersteLiebe seitdem ward cs die Leidenschaft des Stolzes, desWohllebens, der Eitelkeit.