erbictung, mit sorgfältiger Schonung in den Wor-ten; so laß nie deinen Mßwuth, sondern nur die ganze Fülledeiner kindlichen Liebe reden. Und wenn du endlich cinsichst, daßcs zn spät sei, diese Fehler, die vielleicht seit langen Jahren tiefcimvurzelten, von ihnen zu nehmen: so schweige. Schweige unddulde du allein. Schweige und mache diese Fehler für sie undAndere so unschädlich, so wenig auffallend, als möglich. Schweigeund verhülle ihre Unvollkommenheiten und Schwächen, denn dieEhre deiner Acltcrn ist deine Ehre. Erinnere dich, wie auch sieehemals so lauge Geduld mit deinen Mängeln und Unarten getragen haben, und dich nicht verachteten, sondern mit treuerZärtlichkeit dir zugctha» blieben. Vergilt, denn auch für dichlebt ein Vergelter.
Ehre deine Aeltern, mögen sic gegen dich auch zu-weilen hart, sogar vielleicht ungerecht gewesen sein.Du warst nicht geschaffen, der Richter und Strafcr derer zu sein,durch die dich Gott ins Dasein rief. Ihr Alter fordert 'deineHilfe, ihr graues -Haar deine Ehrfurcht, ihre Liebe für dich injüngern Jahren die schuldige Dankbarkeit deiner später» Tage.Waren sic hart gegen dich — vielleicht beförderte eben dieseStrenge dein Wohl. Vergilt nun mit Milde. Ach, wie süß istes, seine eigenen Aeltern zu seinen Schuldnern machen zu können!Glücklich ist der Sterbliche, dem dieses Himmelsloos zu Thcilwird! Waren sie ungerecht gegen dich: sei du nun der Gerechtegegen sie. Meide es, sie auch nur aus der Ferne daran zu er-innern. Ach, jede dieser Erinnerungen wäre ja ein Dorn in desVaters, in der Mutter Brust; und wie sollte solche Wunde inihren letzten Tagen wieder heilen, da die vergangene Zeit un-widerruflich ist, und das Geschehene nicht von ihnen abgeändertwerden kann! Und wenn sic ungerecht gegen dich waren: weißtdu, ob es auch ihre Schuld war? Weißt du, ob sie nicht durch