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6 (1853)
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zu schildern, und selbst sonst harte Gemüther zur Wchmuth zubewegen, wenn wir sagen: cs ist eine Waise, von Vater undMutter verlassen!

Gibt cs ein festeres, ein innigeres Band auf Erden, als jenesheilige, durch welches die Hand der Natur, die Hand der Gott-heit das Herz des Kindes an das Herz der Aeltern bindet?Zwar schön sind auch die Verbindungen der Freundschaft und Liebe,welche der Mann mit dem Manne, das Weib mit dem Weibeschließt; süß ist cs, seine Freuden mit einem geliebten Gegen-stände thcilen, seine Klagen einer innig vertrauten Seele eröffnenzu können; aber Zahre, Umstände, Sitten, Ungleichheit der Schick-sale und Meinungen haben unterm Monde schon so manchen Freund-schaftsbund gebrochen! Nur die Neigung und Ehrfurcht desKindes zu den Aeltern läßt sich nicht ganz brechen. Und wennwir die Gespielen unserer Jugcndtage, die Genossen unserer männ-lichen Leiden in neuen Zerstreuungen und fremden Verhältnissenvergessen haben: seiner Aeltern kann doch auch das ungcrathcnsteder Kinder nie vergessen; cs muß ihrer gedenken, sei cS mitzärtlichem Entzücken, mit liebender Wchmuth, oder mit der Ban-gigkeit eines zitternden Gewissens.

Zwar heilig ist auch das Band der Ehe, welches den Gattenmit der Gattin verbindet. Aber wie oft haben Leidenschaft undUeberdruß dies Band wieder zerrissen; wie oft haben spätereZeiten die Flammen der ersten Liebe verlöscht; wie viele Schei-dungen folgten den heiligsten Schwüren! Nur das Herz desKindes scheidet keine Leidenschaft, kein Ueberdruß, keine spätereZeit vom Herzen der Aeltern. Auch das ungcrathcnste der Kindersieht mit dem Schmerz eines vorwurfsvollen Bewußtseins auf dieTage der Jugend zurück, da cs harmlos im Arm des Vatersruhen, und sich der unveränderlichen Muttcrtreuc erfreuen konnte,und crrötbet, wenn cs sich von denen entfernt und derer sich un-